Jahres-Archiv für 2007

1. Bausaison: Der Flug in die Antarktis

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Kapstadt, Südafrika. Mit dem zweiten Versuch startet das russische Transportflugzeug vom Typ Ilyuschin vom internationalen Flughafen Kapstadt. Mit an Bord sind Wissenschaftler verschiedener Nationalitäten, aber auch 40 Monteure und Ingenieure aus Deutschland. Ihr Auftrag ist der Aufbau der neuen Forschungs- Station des Alfred-Wegener-Institutes im ewigen Eis, der Neumayer-Station III.Gegenüber den zwei Vorgänger-Stationen wird diese auf den fliessenden Eismassen errichtet. Die 2300 Tonnen Stahl können durch Hydraulik-Stützen angehoben werden, um den jährlichen Schneezutrag auszugleichen. Es ist ein Bauvorhaben der besonderen Art: Die Antarktis hat ihre eigenen Regeln und so oft werden Planungen durch die extremen Wetterverhältnisse durcheinander gebracht.

Die Fahrt zum Flughafen bei 30° mit der Polarkleidung auf dem Arm, das Einchecken mit Destination “Novo” und dann der Einstieg in die russische Ilyuschin: Alles scheint wie ein Traum, denn noch kann sich keiner der Teilnehmer vorstellen in knapp 6 Stunden den Fuß auf das ewige Eis der Antarktis zu setzen. Dann ist es soweit, die Turbinen des Giganten heulen auf und langsam schiebt sich das Flugzeug in die Startposition. Die Nase hebt sich, das Rütteln und Schütteln wird weniger und Kapstadt verschwindet langsam in der Nacht. Zu sehen ist davon allerdings wenig, denn es gibt kaum Fenster und man kann nur erahnen was draussen geschieht.

Zur gleichen Zeit ist das Frachtschiff “Naja Arctica” auf dem Weg in die Atka-Bucht vor dem Schelfeis und bahnt sich ihren Weg durch das nach Süden hin immer dichter werdende Meereis. Unter Deck geladen sind das gesamte Baumaterial der Neumayer-Station III und die Container des Baucamps, in dem die Baumannschaft während der Zeit im Eis leben soll. Doch momentan sind die Eisverhältnisse noch sehr ungünstig. Das für diese Zeit ungewöhnlich dichte Meereis liegt vor der Eiskante der Atka-Bucht und macht eine Durchfahrt selbst für einen Eisbrecher unmöglich.
An eine Meereisentladung ist nicht zu denken, der Großteil der Ladung ist einfach zu schwer und somit muss abgewartet werden bis die Eisdecke aufbricht und “Naja Arctica” an die Schelfeiskante vordringen kann.

Im Bauch der Ilyuschin stellen sich nach fünfeinhalb Stunden Flug so langsam alle auf die Landung auf dem russischen Flugfeld nahe der Forschungs-Station “Novo” ein. Dann geht der Kapitän in den Sinkflug und gegen fünf Uhr morgens landet die Transportmaschine auf der extra präparierten Landebahn aus Eis. Jeder ist fasziniert von dem ersten Anblick der Wüste aus Eis, der klaren Luft und dem schier unendlich wirkenden Blick in die Weite.

Doch dafür bleibt jetzt keine Zeit: Alle helfen mit, die Maschine zu entladen, und dann geht es mit kleineren Propeller-Maschinen auch zügig weiter. Für die Zeit, bis die “Naja Arctica” ihr Ziel erreicht hat, wird der Bautrupp in der Südafrikanischen Station SANAE untergebracht. Eine kleine Gruppe der Projektleitung reist weiter zur Neumayer-Station, um dort besser agieren zu können und die bisherigen Vorbereitungen für den Bau zu begutachten.


1. Bausaison: Afrika, Ankunft der Baumannschaft

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Kapstadt, Südafrika: Das Projekt Neumayer III geht in die heiße Phase. Während sich das Frachtschiff „Naja Arctica” mit der verladenen Station auf dem Weg in die Antarktis langsam aber sicher der Eisgrenze nähert, ist der Bautrupp in Kapstadt angekommen.Von hier aus soll es in den nächsten Tagen mit einem russischen Iljuschin Transport Flugzeug weiter ins ewige Eis gehen. Vorerst stehen aber noch einige Aufgaben in Kapstadt auf dem Programm: Die Polarkleidung muss anprobiert werden, das Flight Briefing informiert über die Gefahren und Besonderheiten des Fluges in die Antarktis und die meisten Teilnehmer des außergewöhnlichen Bauvorhabens müssen noch an dem vorgeschriebenen Umweltseminar teilnehmen.

Einige Tage wird der Aufenthalt auf dem afrikanischen Kontinent dauern und nach dem grauen ungemütlichen Wetter in Deutschland, genießt hier wohl jedermann den einziehenden Sommer.

Dann steht der Tag des Abfluges bevor und es scheint ernst zu werden, doch Entwarnung: Der Flug wird abgesagt und muss verschoben werden.
Inzwischen kam von der Neumayer II Station die Nachricht, dass die Polarstern gut 18 Kilometer vor der Schelfeiskante mit der Meereisentladung abgeschlossen hat und die Naja Arctica sich gut 30 Km vor ihrem Ziel an der Eiskante der Atka Bucht befindet.


1. Bausaison: Bautrupp wieder vereint und Polarstern rammt sich ihren Weg zum Nordanleger

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Die letzten Tage waren ereignisreich auf der Neumayer-Station. Die Baumannschaft der neuen Neumayer III Station ist inzwischen vollzählig in dem provisorischen Baucamp eingezogen. Ein Helikopter des südafrikanischen Forschungsschiffes “SA Agulhas” hatte 8 Mann mit Gepäck gebracht, die restlichen 25 Männer wurden auf der Polarstern aufgenommen. Diese war gerade auf dem Weg in die Atka Bucht, um zu versuchen das Eis vor dem Nordanleger, dem Ziel der Naja Arctica zu brechen. Gegen 4 Uhr in den Morgenstunden setzte sich das blaue Forschungsschiff hinter die Naja Arctica, diese benötigte neues Frischwasser und von dort aus wurden gegen zehn Uhr dann auch die restlichen Bauleute auf das Schelfeis zur Neumayer-Station gebracht.Alles lief reibungslos und dann folgte auch schon der erste Erkundungsflug über das Eis. Es galt, sich einen Überblick über die Eislage zu verschaffen und die richtige Stelle zu finden, mit der Polarstern im Rammbetrieb den Weg zum Nordanleger frei zu räumen.Der Helikopter kreiste einige Male über dem Zielgebiet und einige Stunden später verrieten die hohen Aufbauten des Forschungsschiffes dessen Position direkt im Meereis vor dem besagten Nordanleger.
Der Kampf um den Weg an die Schelfeiskante hatte begonnen. Raue Naturgewalt gegen 20.000 PS und modernste Technik. Vor und zurück und wieder vor: Mitten auf die geschlossene Eisdecke schob sich der blaue Gigant. Ein Knarren und Knirschen und das Eis zerbrach unter dem enormen Gewicht und die metergroßen Eisstücken tauchten in den wilden Wasserstrudeln an den Bordwänden wieder auf. So rammte sich die Polarstern bis an zwei Kabellängen, also gut 400 Meter an die Schelfeiskante. Doch je dichter sie dem Ziel kam, desto dicker wurde das Eis und desto schwieriger wurde das Durchkommen.
Was im ersten Moment wie der Versuch das Eis mit roher Gewalt zu bezwingen klingt, ist ein gut durchdachter Plan. Ein Sturm zieht heran und die Vorarbeit der Polarstern und die Bewegung im Meer, die der Sturm nach heutigen Vorhersagen verursachen könnte, sind die Chance das für diese Jahreszeit ungewöhnlich dicke und geschlossene Meereis zu brechen. Die freigelegte Schneise der Polarstern wirkt dabei wie eine Sollbruchstelle und bringt mit der Unterstützung der Wellen Bewegung in die Eismassen.

Noch rammt das blaue Forschungsschiff weiter, doch wenn der Sturm aufzieht, wird es sich aus dem Meereisgürtel zurückziehen. Dann heisst es Abwarten und wir alle hoffen, dass der Sturm bringt was er zu versprechen scheint: 50 Knoten aus Ost – ein wahrer antarktischer Sommersturm.