1. Bausaison: Bautrupp wieder vereint und Polarstern rammt sich ihren Weg zum Nordanleger

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Die letzten Tage waren ereignisreich auf der Neumayer-Station. Die Baumannschaft der neuen Neumayer III Station ist inzwischen vollzählig in dem provisorischen Baucamp eingezogen. Ein Helikopter des südafrikanischen Forschungsschiffes “SA Agulhas” hatte 8 Mann mit Gepäck gebracht, die restlichen 25 Männer wurden auf der Polarstern aufgenommen. Diese war gerade auf dem Weg in die Atka Bucht, um zu versuchen das Eis vor dem Nordanleger, dem Ziel der Naja Arctica zu brechen. Gegen 4 Uhr in den Morgenstunden setzte sich das blaue Forschungsschiff hinter die Naja Arctica, diese benötigte neues Frischwasser und von dort aus wurden gegen zehn Uhr dann auch die restlichen Bauleute auf das Schelfeis zur Neumayer-Station gebracht.Alles lief reibungslos und dann folgte auch schon der erste Erkundungsflug über das Eis. Es galt, sich einen Überblick über die Eislage zu verschaffen und die richtige Stelle zu finden, mit der Polarstern im Rammbetrieb den Weg zum Nordanleger frei zu räumen.Der Helikopter kreiste einige Male über dem Zielgebiet und einige Stunden später verrieten die hohen Aufbauten des Forschungsschiffes dessen Position direkt im Meereis vor dem besagten Nordanleger.
Der Kampf um den Weg an die Schelfeiskante hatte begonnen. Raue Naturgewalt gegen 20.000 PS und modernste Technik. Vor und zurück und wieder vor: Mitten auf die geschlossene Eisdecke schob sich der blaue Gigant. Ein Knarren und Knirschen und das Eis zerbrach unter dem enormen Gewicht und die metergroßen Eisstücken tauchten in den wilden Wasserstrudeln an den Bordwänden wieder auf. So rammte sich die Polarstern bis an zwei Kabellängen, also gut 400 Meter an die Schelfeiskante. Doch je dichter sie dem Ziel kam, desto dicker wurde das Eis und desto schwieriger wurde das Durchkommen.
Was im ersten Moment wie der Versuch das Eis mit roher Gewalt zu bezwingen klingt, ist ein gut durchdachter Plan. Ein Sturm zieht heran und die Vorarbeit der Polarstern und die Bewegung im Meer, die der Sturm nach heutigen Vorhersagen verursachen könnte, sind die Chance das für diese Jahreszeit ungewöhnlich dicke und geschlossene Meereis zu brechen. Die freigelegte Schneise der Polarstern wirkt dabei wie eine Sollbruchstelle und bringt mit der Unterstützung der Wellen Bewegung in die Eismassen.

Noch rammt das blaue Forschungsschiff weiter, doch wenn der Sturm aufzieht, wird es sich aus dem Meereisgürtel zurückziehen. Dann heisst es Abwarten und wir alle hoffen, dass der Sturm bringt was er zu versprechen scheint: 50 Knoten aus Ost – ein wahrer antarktischer Sommersturm.

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