1. Bausaison: Der Flug in die Antarktis

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Kapstadt, Südafrika. Mit dem zweiten Versuch startet das russische Transportflugzeug vom Typ Ilyuschin vom internationalen Flughafen Kapstadt. Mit an Bord sind Wissenschaftler verschiedener Nationalitäten, aber auch 40 Monteure und Ingenieure aus Deutschland. Ihr Auftrag ist der Aufbau der neuen Forschungs- Station des Alfred-Wegener-Institutes im ewigen Eis, der Neumayer-Station III.Gegenüber den zwei Vorgänger-Stationen wird diese auf den fliessenden Eismassen errichtet. Die 2300 Tonnen Stahl können durch Hydraulik-Stützen angehoben werden, um den jährlichen Schneezutrag auszugleichen. Es ist ein Bauvorhaben der besonderen Art: Die Antarktis hat ihre eigenen Regeln und so oft werden Planungen durch die extremen Wetterverhältnisse durcheinander gebracht.

Die Fahrt zum Flughafen bei 30° mit der Polarkleidung auf dem Arm, das Einchecken mit Destination “Novo” und dann der Einstieg in die russische Ilyuschin: Alles scheint wie ein Traum, denn noch kann sich keiner der Teilnehmer vorstellen in knapp 6 Stunden den Fuß auf das ewige Eis der Antarktis zu setzen. Dann ist es soweit, die Turbinen des Giganten heulen auf und langsam schiebt sich das Flugzeug in die Startposition. Die Nase hebt sich, das Rütteln und Schütteln wird weniger und Kapstadt verschwindet langsam in der Nacht. Zu sehen ist davon allerdings wenig, denn es gibt kaum Fenster und man kann nur erahnen was draussen geschieht.

Zur gleichen Zeit ist das Frachtschiff “Naja Arctica” auf dem Weg in die Atka-Bucht vor dem Schelfeis und bahnt sich ihren Weg durch das nach Süden hin immer dichter werdende Meereis. Unter Deck geladen sind das gesamte Baumaterial der Neumayer-Station III und die Container des Baucamps, in dem die Baumannschaft während der Zeit im Eis leben soll. Doch momentan sind die Eisverhältnisse noch sehr ungünstig. Das für diese Zeit ungewöhnlich dichte Meereis liegt vor der Eiskante der Atka-Bucht und macht eine Durchfahrt selbst für einen Eisbrecher unmöglich.
An eine Meereisentladung ist nicht zu denken, der Großteil der Ladung ist einfach zu schwer und somit muss abgewartet werden bis die Eisdecke aufbricht und “Naja Arctica” an die Schelfeiskante vordringen kann.

Im Bauch der Ilyuschin stellen sich nach fünfeinhalb Stunden Flug so langsam alle auf die Landung auf dem russischen Flugfeld nahe der Forschungs-Station “Novo” ein. Dann geht der Kapitän in den Sinkflug und gegen fünf Uhr morgens landet die Transportmaschine auf der extra präparierten Landebahn aus Eis. Jeder ist fasziniert von dem ersten Anblick der Wüste aus Eis, der klaren Luft und dem schier unendlich wirkenden Blick in die Weite.

Doch dafür bleibt jetzt keine Zeit: Alle helfen mit, die Maschine zu entladen, und dann geht es mit kleineren Propeller-Maschinen auch zügig weiter. Für die Zeit, bis die “Naja Arctica” ihr Ziel erreicht hat, wird der Bautrupp in der Südafrikanischen Station SANAE untergebracht. Eine kleine Gruppe der Projektleitung reist weiter zur Neumayer-Station, um dort besser agieren zu können und die bisherigen Vorbereitungen für den Bau zu begutachten.

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