1. Bausaison: Erste Fortschritte an der Neumayer-Station III

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Eine feste Eisdecke liegt noch immer über der Atka-Bucht und versperrt der Naja Arctica den Weg zum Nordanleger an der Schelfeiskante. In den Ladeluken des eissicheren Frachtschiffes liegen die Teile der neuen Antarktis Station Neumayer III und die Container für das Wohncamp des gut 40 Mann starken Bauteams.

Schon bei der Planung des gigantischen Vorhabens wurden die extremen Wetterverhältnisse des eisigen Kontinents berücksichtigt, um so zum Beispiel auf Ausweichquartiere für die Monteure und Ingenieure zurückgreifen zu können.

Für die Löschung des Großteils der Ladung im Bauch der Naja Arctica muss das Schiff die Schelfeiskante erreichen. Die Stahlteile und Kräne sind für eine Meereis-Entladung einfach zu schwer. Auch die entsprechende Stelle an der Eiskante muss genau bestimmt werden, darf weder zu hoch sein, noch dürfen große Spalten das massive Eis durchziehen.

Steffen Spielke, erster Offizier auf der Polarstern, ist erfahren in diesen Gewässern und begleitet die Naja Arctica als Berater. Er kennt die Besonderheiten und weiß die Eissituation einzuschätzen. Selten hat er Anfang Januar solch eine dichte Eisdecke in der Atka-Bucht gesehen, und er weiss, dass diese nicht von allein verschwindet. Ein starker Sturm muss her und bestmöglich ablandiger Wind, der das Eis auseinander oder ganz aus der Bucht treibt. Selbst Risse würden helfen, Hauptsache, es kommt Bewegung auf.

Doch derzeit zeigt sich die Antarktis von ihrer besten, in diesem Fall zu ruhigen Seite. Die Wettersituation ist beständig wie selten und ausser eines schwachen Sturmausläufers über die Feiertage von gerade einmal 5 Windstärken ist kein Wind in Sicht. Am Abend des 07.01. wird daher von den Projektverantwortlichen des Alfred-Wegener-Instituts beschlossen, das wissenschaftliche Programm der Polarstern zu unterbrechen und das Schiff in die Atka-Bucht zurück zu beordern. Polarstern soll nach ihrer Ankunft, die für den 10. Januar erwartet wird, den Versuch unternehmen, eine Fahrrinne in das Meereis der Atka-Bucht zu brechen und der Naja Arctica so zu ermöglichen, die Schelfeiskante zu erreichen.

Der Großteil des Bautrupps hat die ersten 10 Tage in der südafrikanischen Station SANAE, knapp 200 Kilometer von der alten Neumayer Station entfernt, verbracht. Eine Absprache, die bereits vorher getroffen wurde, um dem Falle einer Verspätung des Schiffes und damit auch der Wohneinrichtungen vorzubeugen. Doch inzwischen sind auf SANAE weitere internationale Forscher angekommen, und der Platz in der Station wird benötigt. So wird der Entschluss gefasst, die Container des Baucamps über eine Meereis-Entladung ins Sommerlager der alten Neumayer Station zu transportieren.

Eberhard Kohlberg und Detlef Behrends machen sich auf den Weg, um ein letztes Mal die Strecke über das Eis zur Naja Arctica zu kontrollieren. Kohlberg ist ein erfahrener Expeditionär, er hat schon zahlreiche Reisen auf den eisigen Kontinent als Arzt begleitet. Behrends ist der Projektleiter des Bauvorhabens Neumayer III und hat bereits am Aufbau der derzeitigen Neumayer-Station in der Antarktis mitgewirkt. Das Eis ist nach wie vor fest und lediglich ein Riss von gut 60 cm liegt zwischen der Neumayer-Station und der Naja Arctica. Kein Problem, um die Container auf großen Schlitten zu transportieren.

Am nächsten Morgen startet die Kolonne von 9 Schneeraupen, um die Unterkünfte schnellstmöglich auf das Schelfeis zu schaffen. Zur gleichen Zeit wird auf der Baustelle der Neumayer-Station III das Fundament des neuen Spurenstoff- Observatoriums gesetzt. Eine Konstruktion aus vier stabilen Stahlfüssen mit Querstreben, auf die später der Container für die Forschungseinrichtung gesetzt wird. Neben der Tankstelle für den Baubetrieb und den Vermessungsarbeiten an der Grube ist dies der erste Bauabschnitt der neuen Forschungsstation des Alfred-Wegener-Institutes.

Trotz einer steifen Brise draußen auf dem Meereis bei der Naja Arctica verläuft die Verladung ohne Probleme und am frühen Nachmittag erreichen die Schneeraupen das Sommerlager der Neumayer-Station. Als Ladung auf den großen Lastenschlitten befinden sich die ersten 16 Container der Neumayer III-Baustelle.

Um das Sommerlager auf dem Ekström-Schelfeis fertig zu stellen, bleiben nur noch wenige Tage. Denn die verbleibende Mannschaft, die bisher auf SANAE untergebracht war, ist inzwischen mit dem südafrikanischen Forschungsschiff “SA Agulhas” auf dem Weg nach Neumayer. Die Errichtung des Sommerlagers ist immense Aufgabe, denn mit den neuen Unterkünften werden fast 80 Personen an der Neumayer-Station leben und versorgt werden müssen. Damit ist das Team dann wieder vereint, und wir hoffen auf einen Wetterwandel und das Aufbrechen des Meereises in der Atka-Bucht.

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