2. Bausaison: Ankunft an der Baustelle Neumayer III

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Endlich „zu Hause“…

…war die einhellige Meinung des Bauteams der neuen Neumayer III Station. vier Tage saßen wir sturmbedingt auf dem „Novo Airfield“ fest. Nun sind wir aber endlich auf Neumayer angekommen und die Erleichterung aller ist deutlich zu spüren.

Die letzte Etappe unserer Reise startete in Südafrika:
Nach einigen vorbereitenden Tagen in Kapstadt mit Flugbesprechungen, Gepäckkontrolle und auch ein wenig Erholung startete am 31.10.2008 unser Flug in die Antarktis. Um 22.30 Uhr saßen wir in der Iljushin. Ein großer russischer Transportflieger der in den Sommermonaten der Südhalbkugel die Luftbrücke in die Antarktis bildet. Die Saison ist gerade einmal vier Monate lang und in dieser Zeit gilt es für alle Antarktisreisende möglichst viel zu erreichen.
Unser Fug ist diesmal „D1“, also der erste Flug der Saison diesen Jahres. Eine Gruppe aus einem Vortrupp von Bauarbeitern der Neumayer III Station, ersten neuen Überwinterern für das nächste Jahr und eben uns, dem Filmteam.
Planmäßig hoben wir in Kapstadt ab. Kurs 180°. Direkt nach Süden.
Ein seltsames Gefühl, wenn man nach sechs Stunden Flug um 4 Uhr Ortszeit aus dem Flugzeug steigt und die Sonne schon hoch am Himmel steht.

Unser Ziel ist erst einmal die russische Airbase Novolazarevskaya, kurz „Novo“. Auf dem Eis wurde eine Start- und Landebahn präpariert und eine kleine Zeltsiedlung bietet die notwendigen Einrichtungen, bei Verzögerungen im Flugverkehr zu den einzelnen Forschungsstationen hier einige Zeit zu verbringen.
Auch unser Transferflug mit kleinen Basler Propellermaschinen nach Neumayer II soll eigentlich sofort nach der Landung auf dem antarktischen Kontinent geschehen.
Doch die Antarktis ist nicht zuletzt wegen ihres extremen Wetters berühmt berüchtigt.
Gutes Wetter am Start- als auch am Zielpunkt ist für einen sicheren Transport zwingend erforderlich. Obwohl auf Novo blauer Himmel und ein laues Lüftchen herrschten meldete Neumayer: “kein Flugwetter“. Es hieß also abwarten. Aus den anfänglichen angekündigten sechs Stunden wurden schnell zwölf. Wir richteten uns also langsam darauf ein auf Novo schlafen zu müssen. Mit gemischten Gefühlen bezogen wir also die zunächst ungeheizten Zelte.
Doch auch am nächsten Tag waren noch keine Flugbedingungen auf Neumayer. Und es kam noch schlimmer. Auch auf Novo wurde Sturm und Schneedrift angesagt.

Es kam wie es kommen musste. Am Abend meldete Neumayer zwar gutes Wetter, aber wir kamen von Novo nicht weg. Es folgten weitere 2 Tage mit Windstärken um 8, Sichtweiten unter zwei Metern, ständig ausfallenden Heizlüftern in sturmgeschüttelten Zelten. Keine Dusche, keine Waschmaschine und ein äußerst zugiges Plumpsklo. Dieser Start erinnerte uns an die letzte Saison, in der das Wetter uns als größter Unsicherheitsfaktor auch einige Sorgen bereitete. Die Stimmung sank rapide.

Doch am 5.11. war es endlich soweit. Wir flogen nach Neumayer II. Der Empfang war euphorisch, waren wir doch die ersten Gäste die die Überwinterer seit acht Monaten sahen.
Nach ausgiebiger Dusche und einem warmen Kaffee fuhren wir dann noch am selben Tag zur fünf Kilometer entfernten Baustelle von Neumayer III. Zur freudigen Überraschung aller waren die Befürchtungen, dass das Baucamp und die Baustelle völlig unter einer weißen Ebene verschwunden sein könnten völlig haltlos. Natürlich waren die Schneeverwehungen erheblich, jedoch war alles noch an Ort und Stelle und relativ gut auszumachen.

Auch in das Innere des Baucamps ist über die letzten stürmischen Monate nur sehr wenig Schnee gelangt. Das Bauteam hat letztes Jahr beim Verlassen der Baustelle offensichtlich ganze Arbeit geleistet und alles bestens wetterfest gemacht.
Sofort wurden die Schaufeln gegriffen und die Pistenbullies angeworfen, um das Camp so schnell wie möglich wieder in Betrieb zu nehmen. Die Generatoren wurden mit Heizsonnen aufgetaut und auch die eigentliche Baustelle wurde einer ersten oberflächlichen Untersuchung unterzogen. Mit ebenfalls positivem Ergebnis.

Diese positiven Nachrichten waren nach den letzten vier Tagen auch dringend nötig für die Motivation und Stimmung des Bauteams. Die Generatoren laufen, der Proviant wurde gebunkert und am Samstag wurde das Baucamp wieder bezogen..

Nun können die eigentlichen Bauarbeiten losgehen. Alle sind guter Stimmung und zuversichtlich, das gesteckte Ziel zu erreichen.

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