Die Station Neumayer III wächst!

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Ekström-Schelfeis, Antarktis, 70° 40,8′ Süd 008°16,2′ West

Die Neumayer III Station entsteht.
Was anfänglich zäh begann geht nun mit Riesenschritten voran. Das Baucamp wurde innerhalb von anderthalb Tagen bezugsfertig gemacht, die Rampe der Baustelle geöffnet und die Kräne freigelegt.Unter schwersten Bedingungen und viel Handarbeit haben die Monteure die Stahlfachwerke und Container von Schneemassen befreit , ausgegraben und an die eigentliche Baustelle transportiert. Dort wurde das Baumaterial vorausschauend gelagert, so dass die Teile je nach Bedarf in der richtigen Reihenfolge bereit liegen.
Bis zu 5 Tonnen Gewichtsunterschied zeigten die Gewichtsmesser in den Kränen nach Befreiung der Fachwerke von Schnee und Eis an. Eine schweißtreibende und anstrengende Arbeit, die die Mannschaft an den Rand ihrer körperlichen Kräfte und diverse Schaufeln zum Brechen brachte. Sie hatten der Festigkeit des über 8 Monate immer wieder komprimierten und neu überfrorenen Schnees einfach nicht genug entgegen zu setzen.

Besonders in der Nachtschicht führte diese Tätigkeit in Verbindung mit gefühlten Temperaturen (Windchill) bis zu -35° zu vereisten Augenbrauen und äußerst roten Nasen der Arbeiter. Am Tage ist es zwar nicht ganz so kalt, jedoch hat auch die Tagschicht mit Problemen zu kämpfen. Die kraftvolle Sonne hinterlässt innerhalb von kürzester Zeit eine besorgniserregende Gesichtsbräunung, für die man selbst im Äquatorraum einen ausgedehnten Urlaub benötigen würde. Auch die erste leichte Verletzung ist zu beklagen. Durch die Kälte und den ständigen Zug sind die Muskeln verspannt und einen der Bauarbeiter ereilte ein Hexenschuss.

Ansonsten wirkt die Baustelle gerade wie ein Ameisenhaufen. Aus allen Richtungen kommen Rufe, Hammerschläge und die Flex kreischt in hellen Tönen. Die Funkgeräte steuern ihr ständiges Quäken zu der normalen Geräuschkulisse bei, die auf einer betriebsamen Baustelle herrscht.

Im Keller hat der Innenausbau begonnen. Stromleitungen werden gezogen, die Wasser- und Lüftungsrohre verlegt. Für die Schweißer wurde ein Raum eingeheizt, in dem sie Ihre benötigten Arbeitsmaterialen auf Betriebstemperatur bringen können. Ansonsten müssten sie jedes Teil stundenlang mit Gasbrennern vorwärmen. Ein Aufwand für den hier keiner Zeit hat.

Auch über dem Eis ist nun endlich etwas zu erkennen, nachdem die viele Arbeit des letzten Jahres ernüchternd versteckt blieb. Die 24 Stahlstützen der oberen Stockwerke stehen und werden gerade mit den Stahlfachwerken verbunden. Glücklicherweise ist der Wind uns einigermaßen wohl gesonnen und überschreitet nur kurzweilig die magische 10 Meter pro Sekunde Grenze, bei der die Kranarbeiten eingestellt werden müssen. Es wäre zu gefährlich bei diesen Windgeschwindigkeiten die riesigen Fachwerke anzuheben. Sie könnten unkontrolliert am Kran drehen und im schlimmsten Fall verrutschen und zu riesigen Geschossen werden.

Mittlerweile ist das Bauteam auch um weitere 14 Mann angewachsen, denn die Basler Propellermaschinen erledigen zuverlässig ihre Transportdienste zwischen dem russischen Transferflughafen Novo und Neumayer II. Ein warmer Empfang wurde den Nachzüglern bereitet und dieser war auch bitter nötig. Nachts um 0:30 Uhr bei -23°C setzte die Basler auf dem Flugfeld von Neumayer II auf. Mit in der Gruppe der Neuankömmlinge ist auch die Unterstützung des Kochs Thomas, der bislang alleine für die Mannschaft gesorgt hat.
Alles hat inzwischen seinen Rhythmus gefunden und die Arbeit geht gut voran. Drücken wir weiter die Daumen, dass das Wetter mitspielt.
realnature.tv – Jens Klimmeck , 18.11.2008

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