20 Meter über dem Eis der Antarktis

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Ein unglaublicher Anblick. Man steht in ca. 20 Metern Höhe auf dem Dach der neuen Antarktisstation und lässt den Blick schweifen. Man kann hier bei gutem Wetter ebenerdig schon 75 Kilometer in jede Richtung gucken, ohne dass einem irgendetwas die Sicht versperrt. Diese Sicht ist hier oben ist mit nichts anderem als „grandios” zu beschreiben.

Gut, das „Dach” ist zurzeit zwar noch nur ein ziemlich breiter Stahlträger, aber die Höhe und Aussicht ist schon beeindruckend. Mit ein wenig Neid, aber auch viel Hochachtung muss ich an die ersten Überwinterer denken die diese Station bewohnen dürfen.

Auch der Ausblick aus dem Panoramafenster auf der Südseite der Station lässt auf viele grandiose Fotos hoffen, die wir in den nächsten Monaten von den Überwinterern erhalten werden. Noch ist dieser Bereich aufgrund der fehlenden Isolierung noch ein wenig zugig, in Gedanken habe ich doch schon meine erste Tasse Kaffee dort getrunken. Mit Blick auf einen anständigen antarktischen Sturm und viel Schneedrift.
Für die wohlige Wärme dort oben dürften die Wärmeheizkraftwerke sorgen. Diese wurden in den letzten Tagen in den Stahlkäfig eingesetzt. Somit fehlen in der Station nicht mehr viele Container. Das „erste” Stockwerk ist komplett aufgestellt und ausgerichtet. Und auch in der oberen Ebene reihen sich schon die ersten Container aneinander.

Bei durchgehend gutem Bauwetter wurde in der letzten Woche viel geschafft. Der Stahlkäfig wächst beständig. Die massigen Binder, welche oben über der Station die Stützen eben verbinden verschwinden so langsam aus dem Umfeld der Station und schweben über die Station, wo sie mit dem Rest des Stahlbaus verschmelzen. Es folgend die unzähligen kleinen Verstrebungen -die Fetten-, Winkel, Schürzen, etc. Mit einiger Bewunderung sehen wir denen zu, die offensichtlich den Überblick behalten, was wo hin gehört. Wir als außen stehende gucken nur dumm, wenn es darum geht die komplizierten Baupläne zu lesen.

Insgesamt wird die Baustelle etwas ruhiger. Nicht weil etwa weniger getan wird, sondern weil die Dimensionen einfach deutlich zugenommen haben. Konnte man am Anfang noch alles Überblicken und hat jeden Arbeiter sofort gesehen, so verteilt sich nun alles auf Garage, das Untergeschoss, die Stockwerke 1 und 2 und natürlich das Dach. Die Suche nach einem Werkzeug kann so mittlerweile schon zu einer Odyssee durch diverse Container und Stockwerke ausarten.

Die Fassadenbauer haben die Unterseite des Stahlkäfigs fast fertig. Eine zurzeit noch sehr mühevolle Arbeit, denn wie gesagt: es ist die Unterseite. Über Kopf und in gebeugter Haltung haben sie wohl im Moment den undankbarsten Job auf dieser Baustelle. Obwohl sie dazu noch ständig kaltem Wind und brennender Sonne ausgesetzt sind, wird die Arbeit ohne Murren erledigt.

Das Baucamp selber ärgert uns im Moment ein wenig. Nach den Wasserfällen von Schmelzwasser in der letzen Woche hat sich der Wärmetauscher diese Woche überlegt den Geist aufzugeben. Dieser dient dazu die Abwärme der Generatoren zu nutzen, um in der Schneeschmelze das nötige Frischwasser für das Baucamp zu produzieren. Dieser Vorgang dauerte aber immer länger.

So musste der Wärmetauscher völlig entrußt werden, damit auch weiter genug Wasser für Küche, Duschen und Toiletten verfügbar ist. Dies dauerte aber mehrere Stunden und musste gut geplant werden um nicht der Küche die Arbeit zu erschweren, oder einem der Arbeiter die wohl verdiente Dusche zu verwehren.
Es wurden von vier Tapferen auch drastische Maßnahmen zur Gewichtserhaltung eingeführt. Frischere Luft als hier gibt es nicht. Und da diese ja bekanntlich den Hunger treibt wird man schnell dazu verführt das gute, nahrhafte Essen der Küche in mehr als gesunden Portionen zu konsumieren.
Infolgedessen gibt es nun einen…nennen wir Ihn mal „Gewichtsbeobachter-Tisch” um nicht eventuelle Markenzeichen zu verletzten. Jeden Montag wird gewogen. Wer zugenommen hat bekommt einen roten Smiley, wer abgenommen hat einen grünen Smiley und wer das Gewicht gehalten hat einen gelben Smiley auf seinen über dem Tisch hängenden Zettel geklebt.

In Kapstadt hat währenddessen die Polarstern abgelegt und ist auf dem Weg zu Neumayer. Sehnlichst wird der Nachschub an Ersatzteilen, Nahrung und anderem erwartet.

Auch unsere Ablösung ist mit unterwegs. Und so endet langsam unsere Zeit hier. Aber nächste Woche werden wir Ihnen noch einmal schreiben. Bis dahin!
Grüße aus der Antarktis!

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