Schneedrift und Sonnenschein

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Die Dritte Woche ist vorbei. Sie endete mit 30 Knoten Wind, heftiger Schneedrift und einer Sicht von zeitweise unter 40 Metern. Durch die starke Drift kam die Rampe der Garage zu ihrem ersten Einsatz. Der große Stahldeckel wurde geschlossen, so dass im Inneren der Garage weitergearbeitet werden konnte. Die Baumannschaft die sonst draußen beschäftigt war, half Ihren Kollegen dieser Tage beim Innenausbau. Die vierte Woche beginnt nun im Gegensatz zur letzten, wieder mit strahlend blauem Himmel und sehr wenig Wind.

Eine augenscheinlich sehr angenehme, aber genau so tückische Mischung. Denn hier unten ist Sommer. Der fehlende Wind verleitet dazu die schützende Skimaske zu lüften und das ohnehin schon sonnengegerbte Gesicht zu lang der Sonne auszusetzen. Trotz Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 30 und höher, sieht man den Gesichtern der Arbeiter die Zeit unter antarktischer Sonne an. Und auch im Baucamp selbst, machte sich das Wetter bemerkbar. Bei starker Sonne und nur -3°C fing die Schneedecke auf den Baucamp an zu tauen und das Schmelzwasser sorgte für kleine Wasserfälle auf den Gängen des Camps.

Vor allem aber hat das milde Wetter auch für gutes Vorankommen auf der Baustelle gesorgt. Das Stahlgerüst wächst stetig weiter und man kann nun schon die spätere Form der Station erkennen. Die Stations-Container werden von einem großen Stahlkorb geschützt, der später noch mit einer isolierenden Fassade verkleidet wird.

Die ersten Stationscontainer haben auch schon den Weg an ihren Platz gefunden. Nach und nach schweben sie über der Station ein und werden auf dem letzen Stück von den Arbeitern zentimetergenau in ihre Halterungen manövriert. Teils durch das Geschick der Kranfahrer und manchmal auch nur mit einem Kantholz und der guten alten Hebelwirkung, finden die Container so auf ihren Platz.

Die Fahrer in den schweren Räumgeräten haben in den letzten Tagen alle notwendigen Elemente für die Station aus dem Schnee befreit. Für jemanden aus dem eher schneearmen Deutschland ist die Vorher-Nachher Situation der ausgegrabenen, oder besser freigelegten, Elemente ein schwer zu greifendes Bild. Wir leben hier auf einer großen, freien und weißen Fläche. Da sind vier Meter Höhenunterschied am Horizont noch keine Veränderung. Und so kann es sein, dass an einem Platz, der gestern noch leer schien, heute plötzlich eine kleine Kolonie gigantischer Holzkisten steht. Nur das diese Kisten schon seit 8 Monaten dort sind. Und es ist nur der Schnee um sie herum entfernt und der Boden weiträumig eingeebnet worden.

Parallel zu all dem, montieren die Fassadenbauer die Bodenisolierung an der Unterseite des Stahlkorbes. Mehrere Meter große, stark isolierende Platten werden mit Kran und Hydraulikbühne unter die Station gehoben und dort befestigt.
Und während oben die eigentliche Station entsteht, wachsen 10 Meter weiter unten die Versorgungsleitungen. Zunächst noch mit Notbeleuchtungen wurden und werden die Rohrleitungen für die Heizung und die Kabel für die Beleuchtung verlegt. Zudem werden die Leitungen der speziellen Hydraulikanlage nach und nach befüllt.
Nachdem für Licht im Inneren gesorgt war, konnte auch mit dem Einsetzen des Fahrstuhlschachts begonnen werden. Stück für Stück werden die Stahlrahmen des Schachts durch den knapp 30 Meter Hohen Treppenturm eingelassen, ausgerichtet und verschraubt. Am Ende wird der Aufzug Lasten bis zu 1500 Kg befördern können.

Es hat eindeutig die notwendige Routine Einzug erhalten. Unterbrochen nur, von kleinen Störungen. Heute ist eine kleine Sicherung eines Kranes durchgebrannt. Und auch wenn hier möglichst viele Ersatzteile vorrätig sind, konnte man natürlich keinen weiteren Kran in Einzelteilen mitnehmen. So wurde eben vor Ort eine Sicherung von Hand produziert und eingebaut. Man kann in der Antarktis bauen, man braucht nur entweder die richtigen Ersatzteile oder das nötige Know-how.

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