Monats-Archiv für Januar 2009
Ein weiteres Sturmtief zieht über die Baustelle Neumayer III und verwandelt die gesamte Umgebung in ein einheitliches Weiß. Es ist kein Horizont mehr zu erkennen, die Kontraste des Eises, auf dem man sich bewegt sind verschwunden, und der feine Schnee kommt durch alle Ritzen der Thermoanzüge.
Seit drei Tagen pfeift die Drift nun schon um die Container und die Baustelle, und wir können von Glück reden, dass die Fassade komplett geschlossen und das Innere der Station somit geschützt ist. Außerhalb der Station ist in den letzten Tagen vor dem Sturm noch viel geschehen.
Die Kabelschächte zu den verschiedenen wissenschaftlichen Observatorien wurden in das Eis gegraben und die Kabel verlegt. Somit ist die Grundlage für den Betrieb des Spurenstoffobservatoriums, kurz Spuso, und des Magnetikobservatoriums in gut 1,8 Kilometer Entfernung geschaffen. Auch die I27DE-Station, der deutsche Beitrag zum Kernwaffenteststoppvertrag, wurde verkabelt, und alle Wissenschaftler brennen darauf, die Einrichtungen schnellstmöglich in Betrieb zu nehmen.
Während die Spuso auf einer Plattform über dem Eis steht, muss das magnetische Observatorium ins Eis gebaut werden, um gegen jegliche Vibrationen, zum Beispiel durch den Wind, geschützt zu sein. Nur so können die Geräte das Magnetfeld der Erde präzise messen und genaue Daten in die weltweit vernetzten Datenbanken einspeisen.
Mit einer großen Fräse wurde ein 7,5 Meter tiefer Graben in das Eis gefräst, in den im späteren Bauverlauf ein kleiner Raum aus Thermowänden gebaut wird. Selbstverständlich alles ohne Metall. Die Seiten des Grabens werden durch eine Eiswand geschlossen, und eine stabile, hölzerne Konstruktion bildet das Dach. Durch einen Schacht werden die Wissenschaftler später in das Observatorium gelangen. Direkt neben der Neumayer-Station III wurde auf dem Fundament der Windkraftanlage der Aufbau des Turmes für die Gondel samt der Rotoren begonnen. Zudem wurden auch von hier die Kabel in die Energiezentrale der Station gezogen.
Mit dem Beginn des Sturms wurden alle Bauaktivitäten ins Innere der Baustelle verlegt. Die Systeme der Anlage sind inzwischen komplett montiert und größtenteils bereit für die Inbetriebnahme durch die Spezialisten. Anfang Februar wird es soweit sein. Die Heizungsrohre wurden mit Druckluft auf Schwachstellen oder Lecks geprüft und werden dieser Tage mit Glykol, einem Frostschutzmittel bis zu 55°C minus, gefüllt. Dieses funktioniert gleichzeitig auch als Transportmedium, welches die einzelnen Bereiche der Station mit Wärme versorgt.
Grundsätzlich gibt es in der Station zwei Klimazonen. Die äußere Hülle, die das gesamte Bauwerk umschließt, soll auf eine Temperatur von ca. 5°C gebracht werden. Die zweite Klimazone beinhaltet den Containeraufbau mit einer gewünschten Temperatur von ca. 20°C.
In der Garage wurde zum ersten Mal die Hydraulikanlage getestet. Sie soll den jährlichen Schneezutrag ausgleichen und kann die gesamte Anlage, also ein Gewicht von 2300 Tonnen, anheben. Zu Beginn des Tests wurden alle 16 Hydraulikstützen, Bipoden genannt, auf ein Nulllevel gebracht. Diese Vorarbeit war nötig, um eventuelle Veränderungen der individuellen Lage der Bipoden auszugleichen und möglichst wenig Spannung im Stahlgerüst zu verursachen. Danach wurde jeder Bipod Millimeter für Millimeter hochgedrückt. Selbst diese minimalen Bewegungen waren in der gesamten Station spürbar.
Nach gut einer Stunde lag die Station 4,4 cm höher, und der erste Testdurchlauf der Hydraulikanlage war abgeschlossen. In den nächsten Tagen wird noch ein zweiter Test folgen, um weitere Verbesserungen in der genauen Abstimmung des Systems zu erlangen. In der zweiten Etage der Station, der Wohnetage, geht es dieser Tage schon an die Restarbeiten in den einzelnen Kabinen. Es werden Verblendungen angeschraubt, die Einrichtungslisten noch einmal überprüft und die ersten Räume gesaugt und bezugsfertig gemacht.
Wir alle an der Baustelle freuen uns auf zwei Dinge: Auf besseres Wetter und die Inbetriebnahme der Neumayer-Station III Anfang Februar.
Die Tage an der Baustelle Neumayer III vergehen wie im Fluge. Um sieben Uhr morgens ist Baubeginn, und der Gang zum Arbeitsplatz durch Schnee und Eis ist längst zur täglichen Routine geworden. Schon über zwei Monate arbeitet die Mannschaft ohne Pause und treibt den Bau voran.
Die Zeit und Anstrengungen haben ihre Spuren hinterlassen. Die Abende im Baucamp sind ruhig und kurz. Jeder versucht die Stunden Schlaf zu nutzen. Bis zum nächsten Morgen, wenn die Baustelle wieder zum Leben erwacht.
Inzwischen arbeiten die Männer an den letzten Fassadenteilen an der Südseite der Station, und auf dem Dach wird damit begonnen Laufstege, Geländer und diverse Antennen zu montieren.
Im Inneren verschwinden langsam die Bauspuren, und man bekommt immer mehr einen Eindruck, wie es in wenigen Wochen in der Station aussehen wird.
Setzt man sich in eines der durch Heizlüfter erwärmten Zimmer und schaut durch das Fenster in das weite Weiss, könnte man die Baustelle und das Gewusel um einen herum fast vergessen. Doch spätestens der rege Funkverkehr auf der Baustelle reißt einen zurück in die Realität. Dort werden neue Container mit verschiedensten Baustoffen benötigt, die Baufahrzeuge müssen nachgetankt werden und eine der Hebebühnen hat sich in dem weichen Schnee fest gefahren und muss mit dem Pistenbully heraus gezogen werden.
Etwa 150 Meter von der Station entfernt wurde bereits das Fundament für die Windkraftanlage in das Eis gesetzt. In einzelnen Schritten wird nun der Mast darauf errichtet, und die Spezialisten haben begonnen, die Schalttafeln in der Energiezentrale der Station einzurichten. Mit dem letzten Flug aus Kapstadt sind weitere Techniker und auch Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes eingeflogen worden. Sie beginnen dieser Tage, die ersten wissenschaftlichen Observatorien aufzubauen.
So auch das Spurenstoff Observatorium, kurz Spuso genannt, welches gut 2 Kilometer von der Station entfernt auf einer Plattform über dem Eis montiert wurde. Insgesamt arbeiten zur Zeit mehr als 80 Menschen an der Neumayer III Station, den Observatorien und der Windkraftanlage, und alle arbeiten Hand in Hand, um die Station zum Laufen zu bringen.
Trotz all der Anstrengungen und des engen Zeitplans durfte an der südlichsten Baustelle Deutschlands das traditionelle Richtfest nicht fehlen. Und am Abend des 11. Januars war es endlich soweit. Hoch über der Ballonhalle hing der Richtkranz der Neumayer-Station III, und ab 17:00 Uhr waren alle geladen, um die bisherige Arbeit zu würdigen und darauf anzustoßen.
Die Küche der Neumayer II Station hat die Planung und Versorgung der Festlichkeit übernommen, und der Richtmeister aus dem Team der Stahlbauer, Thomas Kröger, hat seinen Richtspruch an die eisige Umgebung angepasst.
Das Alfred-Wegener-Institut wurde durch die Bauaufsicht Jürgen Janneck vertreten, und der Abend entwickelte sich zu einem gelungenen Fest, das sicherlich auch der Mannschaft und der Stimmung gut getan hat. Pünktlich um sieben Uhr ging der Baubetrieb am Tag darauf weiter.
Jeder Tag lässt die Station weiter wachsen, und so sehen wir dem angekündigten Sturm am Wochenende gelassen entgegen. Denn bis dahin wird die Fassade geschlossen und die Station vor jedem Wetter geschützt sein.
Wer weiss, ob es einfach Zufall ist oder das neue Jahr damit zu tun hat. Die Stürme der vergangenen Wochen haben sich beruhigt und seit dem dritten Januar können die Außenarbeiten an der Station Neumayer III fortgeführt werden. Im Inneren des Baus musste die Baumannschaft noch einige Zeit darauf verwenden, die Spuren der Schneedrift weg zu räumen und die Gänge und Fußböden vom Eis und Schnee zu befreien.
Der erste Schritt der Aussenarbeiten war die Fertigstellung der Fassadenwestseite. Nun geht es mit den Arbeiten an der Nordseite der Station weiter. Wie ein riesiges Puzzle werden die einzelnen Teile an dem Stahlgerüst der Station befestigt, und nach und nach schliesst sich die Aussenhülle mit dem darauf befindlichen Schriftzug „Neumayer-Station”. Zeitgleich werden im Inneren weitere Kabel gezogen, die hochmoderne Klimazentrale der Station wird zusammengesetzt, Böden werden verlegt und die Inneneinrichtung montiert.
Es ist ein unbeschreibliches Gewusel auf der Baustelle Neumayer III. Auf allen Gängen und in allen Räumen wird gearbeitet und jeder packt an, wo es Not tut. Die letzten Wochen des schlechten Wetters haben Zeit und Anstrengungen gekostet, und jeder hier an der Baustelle hat den engen Zeitplan im Hinterkopf. Dank der zahlreichen Innenarbeiten, die vorzeitig erledigt werden konnten, ist dieser bislang nicht gefährdet. Zudem versprechen die Wetterprognosen beste Voraussetzungen für die nächsten Tage.
Auch das zweite Versorgungsschiff, der russische Eisbrecher Ivan Papanin hat nach tagelangem Rammbetrieb einen Weg durch das Meereis gefunden. Der Weg in die Atka- Bucht war durch dichtes Eis schon viele Seemeilen vor der Schelfeiskante versperrt.
Nach einigen Versuchen an diese zu gelangen, wurde entschieden, die Entladung über das Meereis durchzuführen.
Nahe der Position der Polarstern vor gut drei Wochen, konnte die Ladung der Papanin letztendlich gelöscht werden.
Mit Pistenbullys wurden die Container und Stahlteile über das Meereis zur Baustelle Neumayer III transportiert. Mit auf den Lastenschlitten waren auch verschiedene Forschungslabore. Eines davon das Spurenstoffobservatorium, welches im März, gut 5 Kilometer von der Neumayer III Station entfernt in Betrieb gehen wird.
Während die Fassadenbauer noch damit beschäftigt sind, die Hülle der Station zu schliessen, hat der Stahlbau seinen letzten großen Beitrag schon geleistet. Die Ballonfüllhalle wurde auf dem Eis vormontiert und mit dem Kran auf das Dach der Station gehoben.
Das gut vier Meter hohe Konstrukt wird im weiteren Bauverlauf noch mit einer Fassade geschlossen, und zwei große Rolltore ermöglichen das Ein-und Austreten auf das Stationsdach. Dieser Ort wird von den Meteorologen genutzt, um Wetterballons in den antarktischen Himmel steigen zu lassen und ihre Beobachtungen durchzuführen.
Nun warten wir alle gespannt auf das Ende der Fassadenarbeiten, die Dank dem guten Wetter zügig vorangehen. Und im Inneren der Station wird es in manchen Räumen allmählich schon wohnlich; den Heizlüftern sei Dank.

