Schnee, Schnee und nochmals Schnee

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Ein weiteres Sturmtief zieht über die Baustelle Neumayer III und verwandelt die gesamte Umgebung in ein einheitliches Weiß. Es ist kein Horizont mehr zu erkennen, die Kontraste des Eises, auf dem man sich bewegt sind verschwunden, und der feine Schnee kommt durch alle Ritzen der Thermoanzüge.

Seit drei Tagen pfeift die Drift nun schon um die Container und die Baustelle, und wir können von Glück reden, dass die Fassade komplett geschlossen und das Innere der Station somit geschützt ist. Außerhalb der Station ist in den letzten Tagen vor dem Sturm noch viel geschehen.

Die Kabelschächte zu den verschiedenen wissenschaftlichen Observatorien wurden in das Eis gegraben und die Kabel verlegt. Somit ist die Grundlage für den Betrieb des Spurenstoffobservatoriums, kurz Spuso, und des Magnetikobservatoriums in gut 1,8 Kilometer Entfernung geschaffen. Auch die I27DE-Station, der deutsche Beitrag zum Kernwaffenteststoppvertrag, wurde verkabelt, und alle Wissenschaftler brennen darauf, die Einrichtungen schnellstmöglich in Betrieb zu nehmen.

Während die Spuso auf einer Plattform über dem Eis steht, muss das magnetische Observatorium ins Eis gebaut werden, um gegen jegliche Vibrationen, zum Beispiel durch den Wind, geschützt zu sein. Nur so können die Geräte das Magnetfeld der Erde präzise messen und genaue Daten in die weltweit vernetzten Datenbanken einspeisen.

Mit einer großen Fräse wurde ein 7,5 Meter tiefer Graben in das Eis gefräst, in den im späteren Bauverlauf ein kleiner Raum aus Thermowänden gebaut wird. Selbstverständlich alles ohne Metall. Die Seiten des Grabens werden durch eine Eiswand geschlossen, und eine stabile, hölzerne Konstruktion bildet das Dach. Durch einen Schacht werden die Wissenschaftler später in das Observatorium gelangen. Direkt neben der Neumayer-Station III wurde auf dem Fundament der Windkraftanlage der Aufbau des Turmes für die Gondel samt der Rotoren begonnen. Zudem wurden auch von hier die Kabel in die Energiezentrale der Station gezogen.

Mit dem Beginn des Sturms wurden alle Bauaktivitäten ins Innere der Baustelle verlegt. Die Systeme der Anlage sind inzwischen komplett montiert und größtenteils bereit für die Inbetriebnahme durch die Spezialisten. Anfang Februar wird es soweit sein. Die Heizungsrohre wurden mit Druckluft auf Schwachstellen oder Lecks geprüft und werden dieser Tage mit Glykol, einem Frostschutzmittel bis zu 55°C minus, gefüllt. Dieses funktioniert gleichzeitig auch als Transportmedium, welches die einzelnen Bereiche der Station mit Wärme versorgt.

Grundsätzlich gibt es in der Station zwei Klimazonen. Die äußere Hülle, die das gesamte Bauwerk umschließt, soll auf eine Temperatur von ca. 5°C gebracht werden. Die zweite Klimazone beinhaltet den Containeraufbau mit einer gewünschten Temperatur von ca. 20°C.

In der Garage wurde zum ersten Mal die Hydraulikanlage getestet. Sie soll den jährlichen Schneezutrag ausgleichen und kann die gesamte Anlage, also ein Gewicht von 2300 Tonnen, anheben. Zu Beginn des Tests wurden alle 16 Hydraulikstützen, Bipoden genannt, auf ein Nulllevel gebracht. Diese Vorarbeit war nötig, um eventuelle Veränderungen der individuellen Lage der Bipoden auszugleichen und möglichst wenig Spannung im Stahlgerüst zu verursachen. Danach wurde jeder Bipod Millimeter für Millimeter hochgedrückt. Selbst diese minimalen Bewegungen waren in der gesamten Station spürbar.

Nach gut einer Stunde lag die Station 4,4 cm höher, und der erste Testdurchlauf der Hydraulikanlage war abgeschlossen. In den nächsten Tagen wird noch ein zweiter Test folgen, um weitere Verbesserungen in der genauen Abstimmung des Systems zu erlangen. In der zweiten Etage der Station, der Wohnetage, geht es dieser Tage schon an die Restarbeiten in den einzelnen Kabinen. Es werden Verblendungen angeschraubt, die Einrichtungslisten noch einmal überprüft und die ersten Räume gesaugt und bezugsfertig gemacht.

Wir alle an der Baustelle freuen uns auf zwei Dinge: Auf besseres Wetter und die Inbetriebnahme der Neumayer-Station III Anfang Februar.

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