Aufräumarbeiten und Fertigstellung der Nordfassade

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Die Neumayer-Station III im Bau

Die Neumayer-Station III im Bau

Nachdem heftige Stürme mit Schneedrift und Windgeschwindigkeiten von bis zu 30 Meter pro Sekunde die Außenarbeiten an der Baustelle Neumayer III tagelang lahm gelegt haben, kann die 50 köpfige Baumannschaft nun mit den Aufräum- und Weiterarbeiten beginnen.

Ein erster wichtiger Schritt ist das Öffnen der Rampe, denn Baufahrzeuge und Ski-Doos wurden vor dem Sturm in der Garage in Sicherheit gebracht. Jetzt werden sie dringend benötigt, denn ohne schweres Gerät und Fortbewegungsmittel können die Arbeiten im “Ewigen Eis” nicht fortgesetzt werden.

Der tonnenschweren Rampendeckel wird von Schneemassen bedeckt und muss vor dem Öffnen geräumt werden. Der anfangs lockere Schnee, hat sich durch die nächtlichen Minusgrade verfestigt und in eine kompakte, harte Schneeschicht verwandelt. Es wäre eine mühsame und extrem zeitaufwendige Arbeit, die gut 70 Zentimeter dicke, hart gefrorene Schicht von Hand zu entfernen.

Auch mit der Schneefräse dauern die Räumarbeiten einige Stunden an, doch dann ist der Rampendeckel freigelegt und der Bagger kann unter Anweisung damit beginnen, die Massen aus Schnee und Eis zu beseitigen.

Erst nach all diesen notwendigen Vorarbeiten, kann die hydraulische Hebevorrichtung der Rampe eingesetzt werden. Per Steuerung bewegt sich der schwere Deckel Zentimeter für Zentimeter nach oben und gibt den Blick in die Einfahrt der Garage frei.

Der Anblick ist keine große Überraschung, denn schon während der Tage der Drift konnte man aus der Garage beobachten, wie durch jede noch so erdenklich kleine Ritze der Rampenkonstruktion kubikmeterweise feiner Schnee zugeblasen wurde. Das Stahlwerk ist über und über mit Schneekristallen und Eiszapfen bedeckt und auch die Einfahrt an sich ist kaum noch als solche zu erkennen. Berge von Schnee bilden stalagmitenförmige, bizarre Gebilde und versperren den Weg.

Das Team arbeitet gut zusammen. Alle sind Fachmänner auf ihrem Gebiet und kennen die Bedingungen der Antarktis. Die Arbeiten und die erforderlichen, zeitlichen Abläufe werden kurz per Funk besprochen und zielorientiert durchgeführt.

Nun heisst es für den Fahrer des Pisten Bullys, die eingedrungenen Schneemassen zu entfernen. Die Arbeit erfordert viel Erfahrung, Fingerspitzengefühl und ein hohes Maß an Konzentration. Das Niveau der Garage soll auf konstanter Tiefe unter der Eisoberfläche gehalten werden, das Gefälle der Rampeneinfahrt muss für sämtliche Fahrzeuge passierbar sein.

Nach einer Stunde ist es vollbracht, die Rampe ist komplett geöffnet und die Einfahrt freigeschoben. Den weiteren Außenarbeiten an der Station steht also nichts mehr im Wege.

Der riesige Baukran wurde schon in Arbeitsbereitschaft versetzt und die notwendigen Materialien für den Weiterbau gezielt vorbereitet, sodass die Monteure sofort mit dem Anbringen der nächsten Fassadenteile an der Nordseite der Station beginnen können.

Schon vor den extrem stürmischen Tagen hatten sie ganze Arbeit geleistet und die komplette Ost- und Westseite ebenso geschlossen, wie das Dach und den Zwischenboden über den Stahlträgern. Es war ein Wettlauf mit der Zeit und ein überaus wichtiger Fortschritt für die gesamte Bauphase Neumayer III, denn mit dem Schließen der größten Fassadenflächen wurde der Containeraufbau und alle anderen Einrichtungen im Inneren des Stationsrohbaus vor Wind und Wetter geschützt.

Nun folgen also die letzten beiden, flächenmäßig kleineren Stirnseiten im Norden und Süden. Wieder wird jedes Fassadenteil mit dem Kran und einer speziellen Saugvorrichtung aufgenommen, an das Stahlgerüst geführt, genauestens eingepasst und schließlich fachgerecht verschraubt. Diese Arbeit wird mit Sorgfalt und viel Präzision durchgeführt, denn nur eine undurchlässige Isolierschicht als Ganzes wird zwingende Voraussetzung für die spätere Temperaturregulierung in der Station sein.

Die Fassadenbauer bilden zusammen mit dem Kranfahrer ein Team, das sich fast blind versteht. Die verbleibende Kommunikation zwischen den Männern am Boden, dem Fahrer und den Monteuren im Gerüst und auf den Steigern funktioniert reibungslos. Die Abläufe sind nach Wochen der täglichen, zusammen durchgeführten Montage voll und ganz automatisiert. Jeder weiss um seine Aufgabe und Verantwortung, und so geht auch die Fertigstellung

Es ist ein erfolgreicher und schöner Abschnitt der schon über 5 Monate andauernden Bauphase. Denn endlich ist es soweit, die Station bekommt ein Gesicht und ihren wohl verdienten Namen: Neumayer-Station III

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