Polarstern – MABEL

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
MABLE wird aus fast 2000 Metern Wassertiefe geborgen

MABLE wird aus fast 2000 Metern Wassertiefe geborgen

MABEL ist ein vom INGV (Institutio Nationale di Geofisica e Vulcanologia) in Rom entwickeltes Tiefseelaboratorium und dient der Erforschung biogeochemischer Prozesse und geophysikalischer Vorgänge nahe des und am Meeresboden. Es wurde am 5. Dezember 2005 erstmals in antarktischen Gewässern, ebenfalls von Bord der Polarstern, abgesetzt. Zur Wiederaufnahme wurde für diese Reise das von der TFH Berlin und TU Berlin entwickelte Dockingmodul MODUS (Mobile Docker for Underwater Sciences) auf Polarstern verladen, wo es zusammen mit drei Containern zur Systemsteuerung und einer Winde seit Beginn der Reise auf dem Achterdeck auf seinen Einsatz wartete.

Nachdem ein erster Bergungsversuch im Februar 2007 ohne Erfolg geblieben war, herrschte bei diesem zweiten Versuch eine besondere Anspannung. Es ist für lange Zeit die letzte Aufnahmemöglichkeit, denn Polarstern wird diese Gewässer erst im übernächsten Jahr wieder befahren. Eine besondere Herausforderung der Aufnahme in antarktischen Gewässern stellt dabei die Möglichkeit von Meereis am Einsatzort dar. Um die Dockingeinheit MODUS an MABEL anzudocken ist es nämlich notwendig, dass frei an einem Kabel in etwa 1800 m Tiefe hängende MODUS durch Positionieren des Schiffes bis auf wenige Meter an MABEL heranzuführen. Ist dies gelungen, kann MODUS die verbleibenden Meter aktiv nachgesteuert und an MABEL angedockt werden. Da das Schiff bei dieser Operation nur mit sehr geringer Geschwindigkeit manövriert werden darf, ist es nicht möglich, gleichzeitig noch Eis zu brechen.

Doch wo ist MABEL genau? Das Such-Sonar des MODUS kann nur ca. 100 m weit „blicken” und der mißglückte Aufnahmeversuch von 2007 hatte gezeigt, dass MABEL wahrscheinlich nicht dort liegt, wo sie ursprünglich vermutet wurde. Anhand der Analyse des Schiffskurses der Auslegereise wurden eine neue „best-guess” Position und drei parallele Suchkurse bestimmt. Vor Ort stellte sich heraus, dass unser Suchmuster innerhalb einer eisfreien Fläche von ca. 1 km Durchmesser lag. Der nördliche Rand einer großen Scholle massiven Eises jedoch schob sich unaufhaltsam auf die vermutete Position von MABEL und über die geplanten Suchkurse vor. Die Suche begann und als der Bug des Schiffes die Scholle fast berührte, wurde MABEL per Sonar gesichtet. Es lag an Backbord in etwa einer Schifflänge Entfernung auf der Höhe des Bugs.

Ein Wettlauf mit der Zeit begann. Während ein Kaiserpinguin die Operation mit anscheinend großem Interesse (und viel Zeit) vom Eis aus verfolgte, wurde Polarstern längsseits zur Eiskante manövriert, um MODUS nahe genug an MABEL positionieren zu können. Und dies – ganz im Widerspruch zum herrschenden Zeitdruck – musste möglichst langsam geschehen, damit das Kabel an dem MODUS hängt, nicht zu schwingen beginnt. Minuten verstrichen, die Distanzangaben werden immer geringer und plötzlich – ein Strahlen geht über die Gesichter – erschien MABEL klar auf den Videomonitoren. Die letzten Meter legte MODUS – per Joystick gesteuert – mit eigener Kraft zurück, die Winde wurde noch einmal gefiert: gedockt! Buchstäblich in letzter Minute, denn kurz darauf schob sich die angrenzende Eisfläche soweit über die Position von MABEL, dass ein Andocken nicht mehr möglich gewesen wäre. Nach einer weiteren Stunde des Hievens und ungeduldigen Wartens war es dann soweit: Um 17:32 ist im Stationsbuch vom Wachhabenden notiert: MABEL an Deck.

1 Antwort zu “Polarstern – MABEL”


  • Hallo, super Seite und tolle Berichte. Ich habe vor kurzem ein Praktikum am Alfred-Wegener-Institut Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven gemacht, da ich überlegen Meeresbiologie zu studieren. Die MABEL-Aktion wurde da auch gespannt verfolgt.

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden um einen Kommentar schreiben zu können.