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Neumayer-Station III

Schnee, Schnee und nochmals Schnee

Ein weiteres Sturmtief zieht über die Baustelle Neumayer III und verwandelt die gesamte Umgebung in ein einheitliches Weiß. Es ist kein Horizont mehr zu erkennen, die Kontraste des Eises, auf dem man sich bewegt sind verschwunden, und der feine Schnee kommt durch alle Ritzen der Thermoanzüge.

Seit drei Tagen pfeift die Drift nun schon um die Container und die Baustelle, und wir können von Glück reden, dass die Fassade komplett geschlossen und das Innere der Station somit geschützt ist. Außerhalb der Station ist in den letzten Tagen vor dem Sturm noch viel geschehen.

Die Kabelschächte zu den verschiedenen wissenschaftlichen Observatorien wurden in das Eis gegraben und die Kabel verlegt. Somit ist die Grundlage für den Betrieb des Spurenstoffobservatoriums, kurz Spuso, und des Magnetikobservatoriums in gut 1,8 Kilometer Entfernung geschaffen. Auch die I27DE-Station, der deutsche Beitrag zum Kernwaffenteststoppvertrag, wurde verkabelt, und alle Wissenschaftler brennen darauf, die Einrichtungen schnellstmöglich in Betrieb zu nehmen.

Während die Spuso auf einer Plattform über dem Eis steht, muss das magnetische Observatorium ins Eis gebaut werden, um gegen jegliche Vibrationen, zum Beispiel durch den Wind, geschützt zu sein. Nur so können die Geräte das Magnetfeld der Erde präzise messen und genaue Daten in die weltweit vernetzten Datenbanken einspeisen.

Mit einer großen Fräse wurde ein 7,5 Meter tiefer Graben in das Eis gefräst, in den im späteren Bauverlauf ein kleiner Raum aus Thermowänden gebaut wird. Selbstverständlich alles ohne Metall. Die Seiten des Grabens werden durch eine Eiswand geschlossen, und eine stabile, hölzerne Konstruktion bildet das Dach. Durch einen Schacht werden die Wissenschaftler später in das Observatorium gelangen. Direkt neben der Neumayer-Station III wurde auf dem Fundament der Windkraftanlage der Aufbau des Turmes für die Gondel samt der Rotoren begonnen. Zudem wurden auch von hier die Kabel in die Energiezentrale der Station gezogen.

Mit dem Beginn des Sturms wurden alle Bauaktivitäten ins Innere der Baustelle verlegt. Die Systeme der Anlage sind inzwischen komplett montiert und größtenteils bereit für die Inbetriebnahme durch die Spezialisten. Anfang Februar wird es soweit sein. Die Heizungsrohre wurden mit Druckluft auf Schwachstellen oder Lecks geprüft und werden dieser Tage mit Glykol, einem Frostschutzmittel bis zu 55°C minus, gefüllt. Dieses funktioniert gleichzeitig auch als Transportmedium, welches die einzelnen Bereiche der Station mit Wärme versorgt.

Grundsätzlich gibt es in der Station zwei Klimazonen. Die äußere Hülle, die das gesamte Bauwerk umschließt, soll auf eine Temperatur von ca. 5°C gebracht werden. Die zweite Klimazone beinhaltet den Containeraufbau mit einer gewünschten Temperatur von ca. 20°C.

In der Garage wurde zum ersten Mal die Hydraulikanlage getestet. Sie soll den jährlichen Schneezutrag ausgleichen und kann die gesamte Anlage, also ein Gewicht von 2300 Tonnen, anheben. Zu Beginn des Tests wurden alle 16 Hydraulikstützen, Bipoden genannt, auf ein Nulllevel gebracht. Diese Vorarbeit war nötig, um eventuelle Veränderungen der individuellen Lage der Bipoden auszugleichen und möglichst wenig Spannung im Stahlgerüst zu verursachen. Danach wurde jeder Bipod Millimeter für Millimeter hochgedrückt. Selbst diese minimalen Bewegungen waren in der gesamten Station spürbar.

Nach gut einer Stunde lag die Station 4,4 cm höher, und der erste Testdurchlauf der Hydraulikanlage war abgeschlossen. In den nächsten Tagen wird noch ein zweiter Test folgen, um weitere Verbesserungen in der genauen Abstimmung des Systems zu erlangen. In der zweiten Etage der Station, der Wohnetage, geht es dieser Tage schon an die Restarbeiten in den einzelnen Kabinen. Es werden Verblendungen angeschraubt, die Einrichtungslisten noch einmal überprüft und die ersten Räume gesaugt und bezugsfertig gemacht.

Wir alle an der Baustelle freuen uns auf zwei Dinge: Auf besseres Wetter und die Inbetriebnahme der Neumayer-Station III Anfang Februar.


Richtfest an Neumayer-Station III und das erste wissenschaftliche Observatorium wird eingerichtet.

Die Tage an der Baustelle Neumayer III vergehen wie im Fluge. Um sieben Uhr morgens ist Baubeginn, und der Gang zum Arbeitsplatz durch Schnee und Eis ist längst zur täglichen Routine geworden. Schon über zwei Monate arbeitet die Mannschaft ohne Pause und treibt den Bau voran.

Die Zeit und Anstrengungen haben ihre Spuren hinterlassen. Die Abende im Baucamp sind ruhig und kurz. Jeder versucht die Stunden Schlaf zu nutzen. Bis zum nächsten Morgen, wenn die Baustelle wieder zum Leben erwacht.

Inzwischen arbeiten die Männer an den letzten Fassadenteilen an der Südseite der Station, und auf dem Dach wird damit begonnen Laufstege, Geländer und diverse Antennen zu montieren.
Im Inneren verschwinden langsam die Bauspuren, und man bekommt immer mehr einen Eindruck, wie es in wenigen Wochen in der Station aussehen wird.

Setzt man sich in eines der durch Heizlüfter erwärmten Zimmer und schaut durch das Fenster in das weite Weiss, könnte man die Baustelle und das Gewusel um einen herum fast vergessen. Doch spätestens der rege Funkverkehr auf der Baustelle reißt einen zurück in die Realität. Dort werden neue Container mit verschiedensten Baustoffen benötigt, die Baufahrzeuge müssen nachgetankt werden und eine der Hebebühnen hat sich in dem weichen Schnee fest gefahren und muss mit dem Pistenbully heraus gezogen werden.

Etwa 150 Meter von der Station entfernt wurde bereits das Fundament für die Windkraftanlage in das Eis gesetzt. In einzelnen Schritten wird nun der Mast darauf errichtet, und die Spezialisten haben begonnen, die Schalttafeln in der Energiezentrale der Station einzurichten. Mit dem letzten Flug aus Kapstadt sind weitere Techniker und auch Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes eingeflogen worden. Sie beginnen dieser Tage, die ersten wissenschaftlichen Observatorien aufzubauen.

So auch das Spurenstoff Observatorium, kurz Spuso genannt, welches gut 2 Kilometer von der Station entfernt auf einer Plattform über dem Eis montiert wurde. Insgesamt arbeiten zur Zeit mehr als 80 Menschen an der Neumayer III Station, den Observatorien und der Windkraftanlage, und alle arbeiten Hand in Hand, um die Station zum Laufen zu bringen.

Trotz all der Anstrengungen und des engen Zeitplans durfte an der südlichsten Baustelle Deutschlands das traditionelle Richtfest nicht fehlen. Und am Abend des 11. Januars war es endlich soweit. Hoch über der Ballonhalle hing der Richtkranz der Neumayer-Station III, und ab 17:00 Uhr waren alle geladen, um die bisherige Arbeit zu würdigen und darauf anzustoßen.
Die Küche der Neumayer II Station hat die Planung und Versorgung der Festlichkeit übernommen, und der Richtmeister aus dem Team der Stahlbauer, Thomas Kröger, hat seinen Richtspruch an die eisige Umgebung angepasst.

Das Alfred-Wegener-Institut wurde durch die Bauaufsicht Jürgen Janneck vertreten, und der Abend entwickelte sich zu einem gelungenen Fest, das sicherlich auch der Mannschaft und der Stimmung gut getan hat. Pünktlich um sieben Uhr ging der Baubetrieb am Tag darauf weiter.

Jeder Tag lässt die Station weiter wachsen, und so sehen wir dem angekündigten Sturm am Wochenende gelassen entgegen. Denn bis dahin wird die Fassade geschlossen und die Station vor jedem Wetter geschützt sein.


Die Hülle der Station Neumayer III ist fast geschlossen und der russische Eisbrecher Ivan Papanin leistet weitere Versorgungsarbeit.

Wer weiss, ob es einfach Zufall ist oder das neue Jahr damit zu tun hat. Die Stürme der vergangenen Wochen haben sich beruhigt und seit dem dritten Januar können die Außenarbeiten an der Station Neumayer III fortgeführt werden. Im Inneren des Baus musste die Baumannschaft noch einige Zeit darauf verwenden, die Spuren der Schneedrift weg zu räumen und die Gänge und Fußböden vom Eis und Schnee zu befreien.

Der erste Schritt der Aussenarbeiten war die Fertigstellung der Fassadenwestseite. Nun geht es mit den Arbeiten an der Nordseite der Station weiter. Wie ein riesiges Puzzle werden die einzelnen Teile an dem Stahlgerüst der Station befestigt, und nach und nach schliesst sich die Aussenhülle mit dem darauf befindlichen Schriftzug „Neumayer-Station”. Zeitgleich werden im Inneren weitere Kabel gezogen, die hochmoderne Klimazentrale der Station wird zusammengesetzt, Böden werden verlegt und die Inneneinrichtung montiert.

Es ist ein unbeschreibliches Gewusel auf der Baustelle Neumayer III. Auf allen Gängen und in allen Räumen wird gearbeitet und jeder packt an, wo es Not tut. Die letzten Wochen des schlechten Wetters haben Zeit und Anstrengungen gekostet, und jeder hier an der Baustelle hat den engen Zeitplan im Hinterkopf. Dank der zahlreichen Innenarbeiten, die vorzeitig erledigt werden konnten, ist dieser bislang nicht gefährdet. Zudem versprechen die Wetterprognosen beste Voraussetzungen für die nächsten Tage.

Auch das zweite Versorgungsschiff, der russische Eisbrecher Ivan Papanin hat nach tagelangem Rammbetrieb einen Weg durch das Meereis gefunden. Der Weg in die Atka- Bucht war durch dichtes Eis schon viele Seemeilen vor der Schelfeiskante versperrt.
Nach einigen Versuchen an diese zu gelangen, wurde entschieden, die Entladung über das Meereis durchzuführen.
Nahe der Position der Polarstern vor gut drei Wochen, konnte die Ladung der Papanin letztendlich gelöscht werden.

Mit Pistenbullys wurden die Container und Stahlteile über das Meereis zur Baustelle Neumayer III transportiert. Mit auf den Lastenschlitten waren auch verschiedene Forschungslabore. Eines davon das Spurenstoffobservatorium, welches im März, gut 5 Kilometer von der Neumayer III Station entfernt in Betrieb gehen wird.

Während die Fassadenbauer noch damit beschäftigt sind, die Hülle der Station zu schliessen, hat der Stahlbau seinen letzten großen Beitrag schon geleistet. Die Ballonfüllhalle wurde auf dem Eis vormontiert und mit dem Kran auf das Dach der Station gehoben.

Das gut vier Meter hohe Konstrukt wird im weiteren Bauverlauf noch mit einer Fassade geschlossen, und zwei große Rolltore ermöglichen das Ein-und Austreten auf das Stationsdach. Dieser Ort wird von den Meteorologen genutzt, um Wetterballons in den antarktischen Himmel steigen zu lassen und ihre Beobachtungen durchzuführen.

Nun warten wir alle gespannt auf das Ende der Fassadenarbeiten, die Dank dem guten Wetter zügig vorangehen. Und im Inneren der Station wird es in manchen Räumen allmählich schon wohnlich; den Heizlüftern sei Dank.


Die Versorgung der Neumayer III Baustelle und weiße Weihnachten durch ein Sturmtief über dem Baucamp

Forschungsschiff Polarstern: Wir nähern uns der Atka Bucht. Wegen des dichten Eises hat die Schiffsführung entschieden, eine Meereisentladung durchzuführen. Der Weg an die Eiskante ist noch immer versperrt. Und diesen bis zu einer geeigneten Stelle frei zu rammen, an der die Eiskante niedrig genug für die Kräne der Polarstern ist, wäre zu aufwändig.

Langsam nähert sich der Bug des Deutschen Forschungs-Eisbrechers dem Rand des festen Meereises und schiebt sich immer weiter auf dieses hinauf. Es kracht, und das Eis bricht unter dem Gewicht des schweren Rumpfes, bis nach einer guten Schiffslänge kein Weiterkommen mehr ist.
Angekommen! Die Polarstern liegt sicher inmitten des Meereises, und am Horizont kann man die wenigen über dem Eis liegenden Aufbauten der Neumayer II Station erkennen. Die Neumayer III Baustelle liegt noch immer hinter einem riesigen Eisberg verborgen, fast als sollten wir uns aus der Ferne noch kein Bild des Baufortschrittes machen können.

Schon nach kurzer Zeit sind die ersten Pistenbullys am Horizont der zerklüfteten Eislandschaft zu erkennen. Man hat uns bereits erwartet, und auch an Bord brennen alle darauf, den ersten Schritt auf den antarktischen Kontinent zu setzen. Für viele ist es das erste Mal, und die Wetterbedingungen könnten nicht besser sein, die Weite und Einsamkeit dieses Ortes zu erfahren. Vereinzelte Pinguin-Gruppen passieren das Treiben rund um die Polarstern und wundern sich vielleicht über die Kameraden in Rot.

Während die einen im Umkreis der Polarstern ihre Erkundungsgänge bestreiten, hat an Bord und auf dem Eis die Entladung für die Neumayer II Station und die Neumayer III Baustelle begonnen. Die Kräne der Polarstern heben die Container über die Bordwand auf die bereitgestellten Lastenschlitten auf dem Eis. Von dort aus wird alles über das Meereis mit Pistenbullys zur Neumayer II Station und Neumayer III Baustelle gezogen. Eine mühevolle Aufgabe, denn der Winter hat seine Spuren hinterlassen, und aufgetürmte Schollensysteme erlauben der Karawane keinen direkten Weg zur Eisrampe, die vom Meereis auf das Schelfeis führt.

Auf der Baustelle Neumayer III hat sich nach der Fertigstellung des Stahlbaus weiter viel getan. Wir hatten vor unserer Ankunft hier natürlich immer wieder Fotos gesehen. Aber wenn man dann vor Ort steht und sieht, was in dieser Saison schon alles geschafft wurde und welche Dimensionen die Station angenommen hat, ist man sprachlos.

Die Fassade ist mit jedem Tag gewachsen. Auf beiden Längsseiten der Station heben die Krane ein Fassadenstück nach dem anderen an das Stahlgerippe, und die Monteure dirigieren die großen Platten der Außenhaut an Ort und Stelle.

Die Fassade der Neumayer III Station ist 12 cm dick. Innen und außen umschließt jeweils 1 mm Stahlblech den inneren Kern aus PU-Schaum. Die Sandwich-Bauweise ist leicht, stabil und isoliert den Innenraum auch gegen die extremen Temperaturen der Antarktis.

Die Arbeiten liegen gut im Zeitplan. Trotzdem zählt jedes Teil der Hülle, denn ein Sturm zieht auf. Über die Feiertage bis zum Jahreswechsel sagen die Meteorologen starke Winde und Schneefall voraus. Das Ziel ist es, den bisherigen Bau so dicht wie möglich zu bekommen, so dass möglichst wenig Schnee in das Innere gelangen kann.
Am Tag des Wetterwechsels ist die Ostseite komplett geschlossen, an der Westseite fehlt noch gut ein Drittel der Fassade. Die Kopfenden der Station nach Norden und Süden stehen noch vollständig offen.

Doch der Sturm wartet nicht, und mit dem 24.12. jagen die ersten Sturmböen über die Baustelle und das Baucamp. Der Gang zum und vom Camp wird immer beschwerlicher. So auch am Heiligabend: Weiße Weihnachten, irgendwie passt das Wetter zu diesem Anlass, aber ganz so verschneit hätte es für die Baumannschaft sicherlich nicht sein müssen. Das Abendmahl des 24. fällt üppig aus. Traditionell gibt es Gans und Rotkohl, und eine CD mit Weihnachtsliedern in Dauerschleife versprüht wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung. Insgesamt bleibt es aber sehr ruhig. Viele sind mit ihren Gedanken an diesem Abend nicht in der Antarktis, sondern zu Hause bei ihren Familien.
Der Morgen des ersten Weihnachtstages beginnt statt um sieben Uhr erst um zehn Uhr morgens, und bei den ersten Schritten aus dem Baucamp wird deutlich, was sich über Nacht zusammengebraut hat.

Vom Baucamp aus ist die Station nicht mehr zu sehen. Schneetreiben und orkanartige Winde erlauben eine Sicht von gerade einmal fünf bis zehn Metern. Hintereinander her stemmen sich die Männer entlang der Sicherheitsleine gegen den beißenden Wind und die Eiskristalle. Auf der zweiten Hälfte der Strecke wird die Kontur der Station langsam wieder sichtbar. Der hohe Bau liegt oberhalb des Schneetreibens und ist daher noch relativ gut zu erkennen.
Im Bau angekommen wird es ruhiger. Die meisten Räume und Flure sind gut geschützt und vom Sturm unversehrt geblieben. Nur in der Galerie der Station, die außen direkt hinter der Fassade verläuft, wurde gerade auf der Westseite, an der die Fassade noch nicht ganz geschlossen ist, der feine Schnee durch jede Ritze gedrückt.
Trotzdem: Es hätte weitaus schlimmer kommen können, und die Bauarbeiten können im Inneren der Station weitergehen. Es werden Kabel gezogen, die Stationscontainer werden isoliert und die Hauptverteilertafeln der Energiezentrale der Station werden eingerichtet. So funktionieren nach und nach die Steckdosen der einzelnen Container, und hier und da kann schon die Deckenbeleuchtung angeschaltet werden.
Auch der zweite Weihnachtstag ist von Sturm geprägt. Und am Morgen des 27. Dezembers versperrt eine drei Meter hohe Schneewehe den Eingang des Baucamps, und durch die Fenster ist nichts als Schnee zu sehen. Mit Schaufeln, Bagger und Pistenbullys wird das Camp und der Weg zur Baustelle wieder freigelegt. Im Tagesverlauf nimmt auch der Wind und der Schneefall ab. Doch dies war nur das erste der drei Sturmtiefs, die für die nächsten Tage angekündigt sind. Die gute Nachricht: Die Arbeiten im Inneren der Station können fortgeführt werden und machen große Fortschritte.


Die Ereignisse überschlagen sich

Die Polarstern ist da! Gestern, am Mittwoch den 17.12. konnten wir endlich die lang ersehnte Rauchsäule am Horizont ausmachen.  Immer wieder ertappte man sich und andere beim Blick auf das Meer, wo sich die Polarstern mit aller Kraft gegen das Packeis drückt. Die Funkgeräte stehen nicht still und trotz des trüben Morgens sind alle Mienen deutlich erhellt.

Jeder hat so seine eigenen Gründe heute gut gelaunt zu sein. Die einen bekommen neuen Proviant, die Nächsten warten auf Ersatzteile oder Post von zu Hause.  Die „Altüwis“ haben mit Freuden Ihre „Neuüwis“ in Empfang genommen und beginnen nun mit der Einarbeitung der Neuankömmlinge. Wieder andere sehen Ihren letzten Tagen hier entgegen, werden sie doch mit der Polarstern die Heimreise antreten. Und so wird auch dies der letzte Wochenbericht von uns, dem Team 1 von realnature.tv sein. In der nächsten Woche schreiben ihnen dann Michael und Martin von Team 2.

In Bezug auf die Baustelle gibt es gute Neuigkeiten. Es sind mittlerweile alle Container verbaut. Mit vereinten Kräften wurden die letzten Kraftwerkscontainer an ihre Position im nördlichen Teil der Station verbracht und ausgerichtet. Damit hat man nun endgültig einen guten Eindruck davon wie die Station am Ende aussehen wird. Im ersten Deck reihen sich die Container der Technik, Kommunikation, des Hospitals und die Aufenthaltsräume aneinander. Im zweiten Deck dann die Unterkünfte und Laboratorien.  Im Moment wirken die Unterkünfte der Bewohner zwar schon gemütlich, aber noch etwas steril. Aber dies wird sich wohl bald ändern, wenn jeder seinen individuellen Touch mit in die Station und seinen Container bringt. Auch der Ausblick aus den Containern ist atemberaubend. Und das einstrahlende Sonnenlicht könnte etwas ermöglichen wovon Generationen von Neumayer-Bewohnern geträumt haben dürften: Zimmerpflanzen. Obwohl diese in den Wintermonaten sicher noch etwas künstliches Sonnenlicht gebrauchen könnten.

Nachdem alle Container standen, konnten auch die Stahlarbeiter ihr Gewerk vollenden. Die letzten Stahlstreben sind eingezogen und verschraubt. Somit ist die tragende Stahlkonstruktion nun komplett und es wurde begonnen die Seitenteile der Außenfassade zu montieren. Die Ballonhalle wird am Boden vormontiert und soll innerhalb der nächsten Wochen auf die Station gehoben werden.
Nebenbei sei noch zu erwähnen, dass wir die Aufmerksamkeit der Nachbarschaft auf uns gezogen haben. Vor vier Tagen haben wir Besuch von ihrem Botschafter bekommen. Ein kleiner Adelie Pinguin hatte sich in Baucamp und Station verirrt. Niemand konnte sich einen Reim darauf machen, warum ausgerechnet dieser kleine Gesell sich den weiten Weg gemacht hat. Vermutlich hatte er sich einfach nur verirrt. Nach einigen Stunden im Baucamp, einem kleinen Sonnenbad und ausführlicher Begutachtung der Station machte er sich dann aber wieder auf den Weg. Glücklicherweise diesmal in die richtige Richtung, zurück zur Eiskante.

Wir möchten uns nun an dieser Stelle von Ihnen verabschieden. Wir müssen unsere Sachen packen, denn morgen kommt der Helikopter, der uns auf die Polarstern bringt. Es hat uns viel Spaß gemacht und wir wünschen dem kompletten Bauteam weiterhin noch viel Erfolg, gutes Gelingen und natürlich frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Wobei man das mit dem Rutschen hier unten nicht zu wörtlich nehmen sollte.


20 Meter über dem Eis der Antarktis

Ein unglaublicher Anblick. Man steht in ca. 20 Metern Höhe auf dem Dach der neuen Antarktisstation und lässt den Blick schweifen. Man kann hier bei gutem Wetter ebenerdig schon 75 Kilometer in jede Richtung gucken, ohne dass einem irgendetwas die Sicht versperrt. Diese Sicht ist hier oben ist mit nichts anderem als „grandios” zu beschreiben.

Gut, das „Dach” ist zurzeit zwar noch nur ein ziemlich breiter Stahlträger, aber die Höhe und Aussicht ist schon beeindruckend. Mit ein wenig Neid, aber auch viel Hochachtung muss ich an die ersten Überwinterer denken die diese Station bewohnen dürfen.

Auch der Ausblick aus dem Panoramafenster auf der Südseite der Station lässt auf viele grandiose Fotos hoffen, die wir in den nächsten Monaten von den Überwinterern erhalten werden. Noch ist dieser Bereich aufgrund der fehlenden Isolierung noch ein wenig zugig, in Gedanken habe ich doch schon meine erste Tasse Kaffee dort getrunken. Mit Blick auf einen anständigen antarktischen Sturm und viel Schneedrift.
Für die wohlige Wärme dort oben dürften die Wärmeheizkraftwerke sorgen. Diese wurden in den letzten Tagen in den Stahlkäfig eingesetzt. Somit fehlen in der Station nicht mehr viele Container. Das „erste” Stockwerk ist komplett aufgestellt und ausgerichtet. Und auch in der oberen Ebene reihen sich schon die ersten Container aneinander.

Bei durchgehend gutem Bauwetter wurde in der letzten Woche viel geschafft. Der Stahlkäfig wächst beständig. Die massigen Binder, welche oben über der Station die Stützen eben verbinden verschwinden so langsam aus dem Umfeld der Station und schweben über die Station, wo sie mit dem Rest des Stahlbaus verschmelzen. Es folgend die unzähligen kleinen Verstrebungen -die Fetten-, Winkel, Schürzen, etc. Mit einiger Bewunderung sehen wir denen zu, die offensichtlich den Überblick behalten, was wo hin gehört. Wir als außen stehende gucken nur dumm, wenn es darum geht die komplizierten Baupläne zu lesen.

Insgesamt wird die Baustelle etwas ruhiger. Nicht weil etwa weniger getan wird, sondern weil die Dimensionen einfach deutlich zugenommen haben. Konnte man am Anfang noch alles Überblicken und hat jeden Arbeiter sofort gesehen, so verteilt sich nun alles auf Garage, das Untergeschoss, die Stockwerke 1 und 2 und natürlich das Dach. Die Suche nach einem Werkzeug kann so mittlerweile schon zu einer Odyssee durch diverse Container und Stockwerke ausarten.

Die Fassadenbauer haben die Unterseite des Stahlkäfigs fast fertig. Eine zurzeit noch sehr mühevolle Arbeit, denn wie gesagt: es ist die Unterseite. Über Kopf und in gebeugter Haltung haben sie wohl im Moment den undankbarsten Job auf dieser Baustelle. Obwohl sie dazu noch ständig kaltem Wind und brennender Sonne ausgesetzt sind, wird die Arbeit ohne Murren erledigt.

Das Baucamp selber ärgert uns im Moment ein wenig. Nach den Wasserfällen von Schmelzwasser in der letzen Woche hat sich der Wärmetauscher diese Woche überlegt den Geist aufzugeben. Dieser dient dazu die Abwärme der Generatoren zu nutzen, um in der Schneeschmelze das nötige Frischwasser für das Baucamp zu produzieren. Dieser Vorgang dauerte aber immer länger.

So musste der Wärmetauscher völlig entrußt werden, damit auch weiter genug Wasser für Küche, Duschen und Toiletten verfügbar ist. Dies dauerte aber mehrere Stunden und musste gut geplant werden um nicht der Küche die Arbeit zu erschweren, oder einem der Arbeiter die wohl verdiente Dusche zu verwehren.
Es wurden von vier Tapferen auch drastische Maßnahmen zur Gewichtserhaltung eingeführt. Frischere Luft als hier gibt es nicht. Und da diese ja bekanntlich den Hunger treibt wird man schnell dazu verführt das gute, nahrhafte Essen der Küche in mehr als gesunden Portionen zu konsumieren.
Infolgedessen gibt es nun einen…nennen wir Ihn mal „Gewichtsbeobachter-Tisch” um nicht eventuelle Markenzeichen zu verletzten. Jeden Montag wird gewogen. Wer zugenommen hat bekommt einen roten Smiley, wer abgenommen hat einen grünen Smiley und wer das Gewicht gehalten hat einen gelben Smiley auf seinen über dem Tisch hängenden Zettel geklebt.

In Kapstadt hat währenddessen die Polarstern abgelegt und ist auf dem Weg zu Neumayer. Sehnlichst wird der Nachschub an Ersatzteilen, Nahrung und anderem erwartet.

Auch unsere Ablösung ist mit unterwegs. Und so endet langsam unsere Zeit hier. Aber nächste Woche werden wir Ihnen noch einmal schreiben. Bis dahin!
Grüße aus der Antarktis!


Schneedrift und Sonnenschein

Die Dritte Woche ist vorbei. Sie endete mit 30 Knoten Wind, heftiger Schneedrift und einer Sicht von zeitweise unter 40 Metern. Durch die starke Drift kam die Rampe der Garage zu ihrem ersten Einsatz. Der große Stahldeckel wurde geschlossen, so dass im Inneren der Garage weitergearbeitet werden konnte. Die Baumannschaft die sonst draußen beschäftigt war, half Ihren Kollegen dieser Tage beim Innenausbau. Die vierte Woche beginnt nun im Gegensatz zur letzten, wieder mit strahlend blauem Himmel und sehr wenig Wind.

Eine augenscheinlich sehr angenehme, aber genau so tückische Mischung. Denn hier unten ist Sommer. Der fehlende Wind verleitet dazu die schützende Skimaske zu lüften und das ohnehin schon sonnengegerbte Gesicht zu lang der Sonne auszusetzen. Trotz Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 30 und höher, sieht man den Gesichtern der Arbeiter die Zeit unter antarktischer Sonne an. Und auch im Baucamp selbst, machte sich das Wetter bemerkbar. Bei starker Sonne und nur -3°C fing die Schneedecke auf den Baucamp an zu tauen und das Schmelzwasser sorgte für kleine Wasserfälle auf den Gängen des Camps.

Vor allem aber hat das milde Wetter auch für gutes Vorankommen auf der Baustelle gesorgt. Das Stahlgerüst wächst stetig weiter und man kann nun schon die spätere Form der Station erkennen. Die Stations-Container werden von einem großen Stahlkorb geschützt, der später noch mit einer isolierenden Fassade verkleidet wird.

Die ersten Stationscontainer haben auch schon den Weg an ihren Platz gefunden. Nach und nach schweben sie über der Station ein und werden auf dem letzen Stück von den Arbeitern zentimetergenau in ihre Halterungen manövriert. Teils durch das Geschick der Kranfahrer und manchmal auch nur mit einem Kantholz und der guten alten Hebelwirkung, finden die Container so auf ihren Platz.

Die Fahrer in den schweren Räumgeräten haben in den letzten Tagen alle notwendigen Elemente für die Station aus dem Schnee befreit. Für jemanden aus dem eher schneearmen Deutschland ist die Vorher-Nachher Situation der ausgegrabenen, oder besser freigelegten, Elemente ein schwer zu greifendes Bild. Wir leben hier auf einer großen, freien und weißen Fläche. Da sind vier Meter Höhenunterschied am Horizont noch keine Veränderung. Und so kann es sein, dass an einem Platz, der gestern noch leer schien, heute plötzlich eine kleine Kolonie gigantischer Holzkisten steht. Nur das diese Kisten schon seit 8 Monaten dort sind. Und es ist nur der Schnee um sie herum entfernt und der Boden weiträumig eingeebnet worden.

Parallel zu all dem, montieren die Fassadenbauer die Bodenisolierung an der Unterseite des Stahlkorbes. Mehrere Meter große, stark isolierende Platten werden mit Kran und Hydraulikbühne unter die Station gehoben und dort befestigt.
Und während oben die eigentliche Station entsteht, wachsen 10 Meter weiter unten die Versorgungsleitungen. Zunächst noch mit Notbeleuchtungen wurden und werden die Rohrleitungen für die Heizung und die Kabel für die Beleuchtung verlegt. Zudem werden die Leitungen der speziellen Hydraulikanlage nach und nach befüllt.
Nachdem für Licht im Inneren gesorgt war, konnte auch mit dem Einsetzen des Fahrstuhlschachts begonnen werden. Stück für Stück werden die Stahlrahmen des Schachts durch den knapp 30 Meter Hohen Treppenturm eingelassen, ausgerichtet und verschraubt. Am Ende wird der Aufzug Lasten bis zu 1500 Kg befördern können.

Es hat eindeutig die notwendige Routine Einzug erhalten. Unterbrochen nur, von kleinen Störungen. Heute ist eine kleine Sicherung eines Kranes durchgebrannt. Und auch wenn hier möglichst viele Ersatzteile vorrätig sind, konnte man natürlich keinen weiteren Kran in Einzelteilen mitnehmen. So wurde eben vor Ort eine Sicherung von Hand produziert und eingebaut. Man kann in der Antarktis bauen, man braucht nur entweder die richtigen Ersatzteile oder das nötige Know-how.


Die Station Neumayer III nimmt Form an.

Das Ergebnis der Bauarbeiten ist nicht zu übersehen: Aus den einzeln, aus dem Eis ragenden Stahlstützen haben die Monteure in den letzten Tagen das Stahlskelett der neuen deutschen Forschungsstation geschaffen. Die großen Fachwerke sind eingesetzt und mit etlichen kleineren Stahlverstrebungen zu einem stabilen Ganzen zusammengesetzt worden. Vorgestern wurde dann das letzte Teil des Grundgerüstes eingesetzt, so dass die massiven Schrauben festgezogen werden konnten und nun den stabilen Halt der ganzen Station sicherstellen.
Aber auch die spätere Hauptader der Station wurde schon errichtet – der Treppenschacht, der die Garage im Eis mit der eigentlichen Station bis in eine Höhe von knapp 30 Metern verbindet. Der Schacht, bestehend aus zwei, jeweils vier Containern hohen Türmen, beherbergt eine Metalltreppe sowie später den hydraulischen Aufzug, um auch schweres Gerät in die Station befördern zu können.

Die Station selbst, wird aus vorgefertigten Container-Elementen zusammengesetzt und später mit einer isolierenden Außenfassade versehen. Die „Zulieferer” hier an der Baustelle – die Fahrer der Bagger, Kräne und Pistenbullies – sind nun mit Hochdruck dabei, eben diese Containermodule aus dem Schnee und Eis des vergangenen Winters zu befreien. Dazu müssen in manchen Fällen erst die genauen Koordinaten der Container mittels GPS ermittelt werden, bevor dann mit den großen Schneeschiebern der Pistenbullies und dem Schaufelbagger die einzelnen Module freigelegt werden können. Der Transport zur Station erfolgt dann auf riesigen Stahlschlitten, die von den Kränen bestückt und den Pistenbullies an ihr Ziel gezogen werden.

Aber nicht nur der Verkehr auf der Baustelle nimmt sichtbar zu. Auch das Leben im Baucamp ist wieder in vollem Gange. Der letzte Teil des Bautrupps ist am Samstag eingeflogen worden. Zu den Mahlzeiten sind die Tischreihen der Messe nun gut gefüllt und auch nach Feierabend merkt man es: Das Baucamp lebt wieder. Das zeigt sich auch an den Tücken des Alltags. Die Pumpe, der Camp eigenen Kläranlage, hat versucht den Dienst zu quittieren. Doch der beherzte Einsatz von Peter, dem Haustechniker hat dafür gesorgt, dass sie ihren Dienst auch weiterhin verrichtet und die Monteure nach getaner Arbeit unter die verdiente, heiße Dusche können.

Und es sind nicht mehr nur die Monteure draußen auf der Baustelle. Der Aufbau der Hydraulikanlage im Keller der Station ist schon soweit fortgeschritten, das bald auch Programmierkünste gefragt sind. Neumayer III bedeutet immerhin auch, dass 2300 Tonnen Gewicht durch 16 hydraulische Stelzen immer wieder auf das zunehmende Höhenniveau der Schneedecke angehoben werden müssen. Das dazu notwendige Steuerprogramm wird direkt vor Ort eingerichtet. Am Ende werden ungefähr 20.000 Zeilen Computercode die Druckverhältnisse der so genannten „Bipoden” messen und die Hydraulikanlage steuern. Damit wird die Technik der Neumayer III Station dem entgegenwirken, was anderen Stationen hier in der Antarktis vorher passiert ist – nämlich über die Jahre im Eis zu versinken. Neumayer II liegt heute, 16 Jahre nach ebenerdiger Eröffnung, gut 15 Meter unterhalb der Schneedecke. Neumayer III wird auch in 25 Jahren noch oben auf sein.

Die zweite Bausaison Neumayer III geht in die dritte Woche, das Wetter spielt mit und die Arbeiten verlaufen nach Plan. Mehr davon in Woche vier.


Die Station Neumayer III wächst!

Ekström-Schelfeis, Antarktis, 70° 40,8′ Süd 008°16,2′ West

Die Neumayer III Station entsteht.
Was anfänglich zäh begann geht nun mit Riesenschritten voran. Das Baucamp wurde innerhalb von anderthalb Tagen bezugsfertig gemacht, die Rampe der Baustelle geöffnet und die Kräne freigelegt.Unter schwersten Bedingungen und viel Handarbeit haben die Monteure die Stahlfachwerke und Container von Schneemassen befreit , ausgegraben und an die eigentliche Baustelle transportiert. Dort wurde das Baumaterial vorausschauend gelagert, so dass die Teile je nach Bedarf in der richtigen Reihenfolge bereit liegen.
Bis zu 5 Tonnen Gewichtsunterschied zeigten die Gewichtsmesser in den Kränen nach Befreiung der Fachwerke von Schnee und Eis an. Eine schweißtreibende und anstrengende Arbeit, die die Mannschaft an den Rand ihrer körperlichen Kräfte und diverse Schaufeln zum Brechen brachte. Sie hatten der Festigkeit des über 8 Monate immer wieder komprimierten und neu überfrorenen Schnees einfach nicht genug entgegen zu setzen.

Besonders in der Nachtschicht führte diese Tätigkeit in Verbindung mit gefühlten Temperaturen (Windchill) bis zu -35° zu vereisten Augenbrauen und äußerst roten Nasen der Arbeiter. Am Tage ist es zwar nicht ganz so kalt, jedoch hat auch die Tagschicht mit Problemen zu kämpfen. Die kraftvolle Sonne hinterlässt innerhalb von kürzester Zeit eine besorgniserregende Gesichtsbräunung, für die man selbst im Äquatorraum einen ausgedehnten Urlaub benötigen würde. Auch die erste leichte Verletzung ist zu beklagen. Durch die Kälte und den ständigen Zug sind die Muskeln verspannt und einen der Bauarbeiter ereilte ein Hexenschuss.

Ansonsten wirkt die Baustelle gerade wie ein Ameisenhaufen. Aus allen Richtungen kommen Rufe, Hammerschläge und die Flex kreischt in hellen Tönen. Die Funkgeräte steuern ihr ständiges Quäken zu der normalen Geräuschkulisse bei, die auf einer betriebsamen Baustelle herrscht.

Im Keller hat der Innenausbau begonnen. Stromleitungen werden gezogen, die Wasser- und Lüftungsrohre verlegt. Für die Schweißer wurde ein Raum eingeheizt, in dem sie Ihre benötigten Arbeitsmaterialen auf Betriebstemperatur bringen können. Ansonsten müssten sie jedes Teil stundenlang mit Gasbrennern vorwärmen. Ein Aufwand für den hier keiner Zeit hat.

Auch über dem Eis ist nun endlich etwas zu erkennen, nachdem die viele Arbeit des letzten Jahres ernüchternd versteckt blieb. Die 24 Stahlstützen der oberen Stockwerke stehen und werden gerade mit den Stahlfachwerken verbunden. Glücklicherweise ist der Wind uns einigermaßen wohl gesonnen und überschreitet nur kurzweilig die magische 10 Meter pro Sekunde Grenze, bei der die Kranarbeiten eingestellt werden müssen. Es wäre zu gefährlich bei diesen Windgeschwindigkeiten die riesigen Fachwerke anzuheben. Sie könnten unkontrolliert am Kran drehen und im schlimmsten Fall verrutschen und zu riesigen Geschossen werden.

Mittlerweile ist das Bauteam auch um weitere 14 Mann angewachsen, denn die Basler Propellermaschinen erledigen zuverlässig ihre Transportdienste zwischen dem russischen Transferflughafen Novo und Neumayer II. Ein warmer Empfang wurde den Nachzüglern bereitet und dieser war auch bitter nötig. Nachts um 0:30 Uhr bei -23°C setzte die Basler auf dem Flugfeld von Neumayer II auf. Mit in der Gruppe der Neuankömmlinge ist auch die Unterstützung des Kochs Thomas, der bislang alleine für die Mannschaft gesorgt hat.
Alles hat inzwischen seinen Rhythmus gefunden und die Arbeit geht gut voran. Drücken wir weiter die Daumen, dass das Wetter mitspielt.
realnature.tv – Jens Klimmeck , 18.11.2008


2. Bausaison: Ankunft an der Baustelle Neumayer III

Endlich „zu Hause“…

…war die einhellige Meinung des Bauteams der neuen Neumayer III Station. vier Tage saßen wir sturmbedingt auf dem „Novo Airfield“ fest. Nun sind wir aber endlich auf Neumayer angekommen und die Erleichterung aller ist deutlich zu spüren.

Die letzte Etappe unserer Reise startete in Südafrika:
Nach einigen vorbereitenden Tagen in Kapstadt mit Flugbesprechungen, Gepäckkontrolle und auch ein wenig Erholung startete am 31.10.2008 unser Flug in die Antarktis. Um 22.30 Uhr saßen wir in der Iljushin. Ein großer russischer Transportflieger der in den Sommermonaten der Südhalbkugel die Luftbrücke in die Antarktis bildet. Die Saison ist gerade einmal vier Monate lang und in dieser Zeit gilt es für alle Antarktisreisende möglichst viel zu erreichen.
Unser Fug ist diesmal „D1“, also der erste Flug der Saison diesen Jahres. Eine Gruppe aus einem Vortrupp von Bauarbeitern der Neumayer III Station, ersten neuen Überwinterern für das nächste Jahr und eben uns, dem Filmteam.
Planmäßig hoben wir in Kapstadt ab. Kurs 180°. Direkt nach Süden.
Ein seltsames Gefühl, wenn man nach sechs Stunden Flug um 4 Uhr Ortszeit aus dem Flugzeug steigt und die Sonne schon hoch am Himmel steht.

Unser Ziel ist erst einmal die russische Airbase Novolazarevskaya, kurz „Novo“. Auf dem Eis wurde eine Start- und Landebahn präpariert und eine kleine Zeltsiedlung bietet die notwendigen Einrichtungen, bei Verzögerungen im Flugverkehr zu den einzelnen Forschungsstationen hier einige Zeit zu verbringen.
Auch unser Transferflug mit kleinen Basler Propellermaschinen nach Neumayer II soll eigentlich sofort nach der Landung auf dem antarktischen Kontinent geschehen.
Doch die Antarktis ist nicht zuletzt wegen ihres extremen Wetters berühmt berüchtigt.
Gutes Wetter am Start- als auch am Zielpunkt ist für einen sicheren Transport zwingend erforderlich. Obwohl auf Novo blauer Himmel und ein laues Lüftchen herrschten meldete Neumayer: “kein Flugwetter“. Es hieß also abwarten. Aus den anfänglichen angekündigten sechs Stunden wurden schnell zwölf. Wir richteten uns also langsam darauf ein auf Novo schlafen zu müssen. Mit gemischten Gefühlen bezogen wir also die zunächst ungeheizten Zelte.
Doch auch am nächsten Tag waren noch keine Flugbedingungen auf Neumayer. Und es kam noch schlimmer. Auch auf Novo wurde Sturm und Schneedrift angesagt.

Es kam wie es kommen musste. Am Abend meldete Neumayer zwar gutes Wetter, aber wir kamen von Novo nicht weg. Es folgten weitere 2 Tage mit Windstärken um 8, Sichtweiten unter zwei Metern, ständig ausfallenden Heizlüftern in sturmgeschüttelten Zelten. Keine Dusche, keine Waschmaschine und ein äußerst zugiges Plumpsklo. Dieser Start erinnerte uns an die letzte Saison, in der das Wetter uns als größter Unsicherheitsfaktor auch einige Sorgen bereitete. Die Stimmung sank rapide.

Doch am 5.11. war es endlich soweit. Wir flogen nach Neumayer II. Der Empfang war euphorisch, waren wir doch die ersten Gäste die die Überwinterer seit acht Monaten sahen.
Nach ausgiebiger Dusche und einem warmen Kaffee fuhren wir dann noch am selben Tag zur fünf Kilometer entfernten Baustelle von Neumayer III. Zur freudigen Überraschung aller waren die Befürchtungen, dass das Baucamp und die Baustelle völlig unter einer weißen Ebene verschwunden sein könnten völlig haltlos. Natürlich waren die Schneeverwehungen erheblich, jedoch war alles noch an Ort und Stelle und relativ gut auszumachen.

Auch in das Innere des Baucamps ist über die letzten stürmischen Monate nur sehr wenig Schnee gelangt. Das Bauteam hat letztes Jahr beim Verlassen der Baustelle offensichtlich ganze Arbeit geleistet und alles bestens wetterfest gemacht.
Sofort wurden die Schaufeln gegriffen und die Pistenbullies angeworfen, um das Camp so schnell wie möglich wieder in Betrieb zu nehmen. Die Generatoren wurden mit Heizsonnen aufgetaut und auch die eigentliche Baustelle wurde einer ersten oberflächlichen Untersuchung unterzogen. Mit ebenfalls positivem Ergebnis.

Diese positiven Nachrichten waren nach den letzten vier Tagen auch dringend nötig für die Motivation und Stimmung des Bauteams. Die Generatoren laufen, der Proviant wurde gebunkert und am Samstag wurde das Baucamp wieder bezogen..

Nun können die eigentlichen Bauarbeiten losgehen. Alle sind guter Stimmung und zuversichtlich, das gesteckte Ziel zu erreichen.