Der angesagte Sturm für das Wochenende hat sich glücklicherweise nur schwach gezeigt. Sechs bis sieben Windstärken mit Schneedrift hüllten die Landschaft und die Baustelle Neumayer III in einen weissen Schleier.
Die Kranarbeiten mussten für 2 Tage eingestellt werden und trotzdem können wir sagen: Glück gehabt! Ende letzter Woche wurden die Fundament-Platten gesetzt und die Hydraulik-Stempel montiert. Diese sind Teil der Hydraulik-Anlage, mit der die Neumayer III Station später den jährlichen Schnee-Zutrag und das Einsinken im Eis ausgleichen soll.
Alles ist nun für das Aufsetzen der Stahlkonstruktion des Daches der Garage vorbereitet. Nach dem guten Fortschritt waren alle besorgt, dass die Baugrube wieder zugeweht wird und die mühevolle Arbeit der Freilegung einmal mehr einige Tage Arbeit und Bauverzögerung bedeuten könnte.
Doch schon heute Nacht konnte die erste Schicht wieder loslegen und die schweren Stahlkonstruktionen vormontieren, so dass sie im Laufe des Tages auf die Fundament-Platten und die Hydraulik-Stempel gesetzt werden können.
Die Naja Arctica hat sich während des Sturms wieder auf das offenen Meer zurück gezogen und wird natürlich versuchen schnellstmöglich zurück an die Schelfeiskante zu kommen. Momentan ist die Anfahrt allerdings noch von schwerem Eisgang und zwei treibenden Eisbergen versperrt.
Die Antarktis hat Ihre eigenen Regeln und immer wieder wird die Baumannschaft vor neue Hürden gestellt. Wenn allerdings gearbeitet werden kann, geht der Bau unglaublich schnell voran und die Vorbereitungen und der Probe Aufbau in Bremerhaven machen sich bemerkbar. Nun bleibt uns zu hoffen, dass die Naja Arctica wieder möglichst schnell an die Schelfeiskante gelangt und parallel zum Aufbau weiter entladen werden kann.
Ein ungewohntes Bild in der endlosen Weite der Antarktis: In regelmässigen Abständen pendeln die Schneeraupen zwischen dem Nord-Anleger und der Baustelle der Neumayer III Station. Es ist ein ständiger Verkehr auf der gut 24 Kilometer langen Strecke. Rund um die Uhr werden Container und Teile der neuen Forschungs-Station an die Baugrube gebracht.
In Richtung Naja Arctica schlängeln die Gespanne aus Schneeraupen und Schlitten problemlos über das Eis. Zur anderen Seite, in Richtung der Neumayer III Baustelle zerrt die schwere Last an den Schlitten und den Fahrzeugen. Bis zu einem halben Meter sinken die Kufen im Schnee und Eis ein und bremsen die Fahrt auf maximal 10 Stunden-Kilometer ab. Es ist ein wahrer Kraftakt die Baucontainer an den Bestimmungsort zu bringen. Nicht nur für das Material, auch für die Mannschaft, die in zwei Schichten rund um die Uhr arbeitet, um den straffen Zeitplan einzuhalten.
Auf dem Schelfeis, nahe des Anlegeplatzes der Naja Arctica werden die Schneeraupen aus einem Zwischenlager auf dem Eis mit Containern bestückt. Man versucht das eissichere Frachtschiff schnellstmöglich vollständig zu entladen, denn die Zeit drängt und mit dem Februar endet langsam aber sicher der antarktische Sommer.
Während am Baucamp nur noch die letzten Kleinigkeiten erledigt werden, hat der Bau der Neumayer III Station vor Ort erst begonnen. Fünf Tage hat es gedauert, die über sechs Meter tiefe Grube wieder frei zu räumen und den Untergrund auf eine Ebene zu bringen. Schneefall und Drift hatten die längst getane Arbeit in den letzten Wochen inzwischen schon zweimal wieder zunichte gemacht. Doch nun sehen die Wetterbedingungen viel versprechend aus und die Bauarbeiten können endlich beginnen.
Erster Schritt ist es, dass Fundament der Station fertig zu stellen. Dieses wird in diesen Breiten natürlich anders gebaut als in der Heimat, nämlich aus Schnee.
Holzbohlen werden entlang der Längsachse der Station auf einer über Laser gemessenen Höhe verlegt und die Zwischenräume mit einer Schneefräse aufgefüllt. Der feine Schnee ist besonders geeignet, um eine möglichst hohe Festigkeit zu erlangen und der Station damit den nötigen Halt zu geben.
Auf dieses Fundament werden die bis zu 12 Quadratmeter großen Fundament-Platten in der Grube gesetzt und die Stahlkonstruktion für den Unterbau, die Garage errichtet. Bis zu der Schliessung dieser Konstruktion sind die Bauarbeiten noch sehr von den Wetterbedingungen abhängig. Ein Sturm könnte die Grube durch Schneedrift wieder zuwehen und schlechtes Wetter könnte die Bauarbeiten behindern. Für die nächsten Tage sagen die Meteorologen gutes Wetter voraus, allerdings nähert sich zum Wochenende hin ein kleines Sturmtief. Zu hoffen bleibt, dass es nicht stark genug ist, die Grube wieder mit Schnee zu füllen und den Zeitplan zu gefährden.